11.04.2020

Überleben organisieren, Strategien entwickeln

Führung in der Corona-Krise

Nur wenige Unternehmen profitieren von der aktuellen Corona-Epidemie, wie z.B. Drägerwerke als Hersteller von Beamtungsgeräten oder Amazon im internationalen Kontext. Für die meisten Unternehmerinnen und Unternehmer geht es ans Eingemachte. Die Existenz steht auf dem Spiel. Das sorgt für Extremstress. Gleichwohl müssen Führungskräfte in der Krise einen kühlen Kopf bewahren, das Überleben organisieren, Mut machen und auch neue Zukunftschancen erkennen.

Überleben sichern

Spare in der Zeit, dann hast du in der Not! Unternehmen, die diese alte Volksweisheit in den letzten Jahren beherzigt und ausreichend Eigenkapital gebildet haben, dürften nun ein wenig entspannter mit der Corona-Krise umgehen. Nach Statista liegt die Eigenkapitalquote der deutschen Unternehmen im Schnitt bei über 30 Prozent. Einige haben in den vergangenen Boom-Jahren Rücklagen aufgebaut. Doch viele Mittelständler und Selbstständige wohl auch nicht, wie die aktuelle Situation nun offenbart.

In einigen Branchen wie Einzelhandel, Hotelerie und Gastronomie ist die Lage besonders angespannt. Dort können manche nicht einmal eine Durststrecke von vier Wochen überwinden. Der Staat muss im großen Stil mit Hilfsprogrammen einspringen und zeigt bedenkliche Allmachtsphantasien (jeder wird gerettet). Doch auch Unternehmen mit einer guten Eigenkapitalquote können einen Shutdown nicht über mehrere Monate durchhalten und dabei tatenlos zusehen, wie ihre finanziellen Reserven wie Butter in der Sonne schmelzen. Jetzt radikal handeln ist daher richtig. Man weiß ja nicht, was noch kommt:

  • Staatliche Förderprogramme: Die KfW bietet mittlerweile für Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitern sogenannte Schnellkredite mit einer 100-prozentigen Haftungsübernahme. Die sollten Sie beantragen, wenn Ihr Unternehmen vor der Corona-Krise gesund war. Wenn es gut läuft und die Krise schnell zu Ende geht, können Sie das Geld in die digitale Zukunft investieren.
  • Stundungen: Steuern, Sozialversicherungsbeiträge, Lohnsteuerabgaben, Mieten und Tilgungen können Sie durch schnell umgesetzte Sonderregelungen der Bundesregierung stunden lassen. Sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater. Ziehen Sie auch hier alle Register.
  • Kurzarbeitergeld: Die Regelungen für dieses beliebte Kriseninstrument wurden von der Bundesregierung gelockert. Mitarbeiter in Kurzarbeit erhalten zwischen 60 und 67 Prozent Ihres letzten Nettolohns. Ihre freiwilligen Aufstockungen wären ein idelaes Loyalitätsprogramm.
  • Kostensenkungen: Alles was nicht wichtig ist, sollten Sie stoppen und kündigen. Nutzen Sie aber auch die Zeit, um Ihre Geschäftsprozesse zu durchforsten. Was ist nicht wertschöpfend? Was kann zukünftig automatisiert oder besser organisiert werden?

Strategien entwickeln

Nutzen Sie den Shutdown aber auch strategisch. Stellen Sie Ihre Ausrichtung auf den Prüfstand. Die Corona-Krise legt jetzt Schwachstellen offen, bietet aber auch jede Menge neuer Chancen, wenn man sie denn sieht. Aktuell profitieren Branchen, die in der Corona-Krise gefragt sind. Aber nur die wenigsten Unternehmen können schnell mal eben auf die Produktion von Masken, Schutzkleidung und Beatmungsgeräten umstellen. Das wäre mittelfristig auch nicht sinnvoll. Aber es gibt andere Dinge, die wichtig werden:

  • Geschäftsmodell: In der aktuellen Krise haben die Unternehmen gute Karten, die über Abo-Modelle verfügen, am besten noch im digitalen Kontext. Prüfen Sie daher, wie Sie Ihr Geschäftsmodell auf Verträge mit regelmäßigen Erlösströmen umstellen können. In der Praxis gibt es genügend Beispiele. Seien Sie kreativ. Digitale Technologien wie z. B. die Blockchain bieten dazu neue Möglichkeiten.
  • Produkte: Aktuell kommen diversifizierter agierende Unternehmen besser durch die Krise als diejenigen, die alles auf eine Karte gesetzt haben. Einzelhändler z. B., die schon vor der Krise einen guten Online-Shop hatten, können nun schnell ihren Schwerpunkt auf E-Commerce verlagern. Wer als Gastronom schon einen stabilen Lieferdienst aufgebaut hat, profitiert nun davon. Wer alles auf eine Karte setzt, wie es z. B. viele Automobilzulieferer tun, hat in der Krise keine weiteren Standbeine mehr.
  • Services: Tun Sie Ihren Kunden gerade in Krisenzeiten etwas Gutes. Wenn Sie es sich leisten können, dann verlängern Sie z. B. Zahlungsziele. Informieren Sie aber auch regelmäßig aus Ihrem Umfeld. Aktuell zeigt sich z. B., wie wichtig professionelle Kunden-Newsletter mit wertvollen Informationen sind. Stabilisieren Sie in der Krise Kundenbeziehungen durch kostenlose Extra-Services. Das schafft Vertrauen und Loyalität.
  • Beschaffung: Die globalen Lieferketten sind in Krisenzeiten instabil. Wenn sytemrelevante Produkte wie Medikamente und Schutzausrüstungen nicht aus China geliefert werden können, geraten ganze Volkswirtschaften ins Wanken. Auch die auf Kante genähte Just-in-Time-Produktion fällt aus. Viele Produzenten müssen daher ihre Produktionsstrategie überdenken und wieder heimatnäher und mit Pufferläger fertigen. Die höheren Kosten müssen Sie als Versicherungsprämien verbuchen.
  • Arbeiten: Der aktuelle Boom an Homeoffices und Videokonferenzen wird auch nach der Corona-Krise bleiben, nicht bei allen Unternehmen in der jetzigen Intensität, aber tendenziell schon. Nutzen Sie das Momentum und organisieren Sie in Ihrem Unternehmen das Arbeiten in der digitalen Welt neu. New Work sollte nicht nur eine leere Worthülse in Schönwetterzeiten sein. Start-up-Möbel mit Tischkicker sind allenfalls Beiwerk. Es geht vielmehr um einen tiefgreifenden Kultur- und Führungswandel.

Gute Führung in Krisenzeiten heißt aber auch, mit gutem Beispiel voranzugehen, ehrlich zu sein und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Mut zu machen. Das gemeinsame Arbeiten an wichtigen Projekten und solidarisches Handeln schweißt zusammen.

Dr. Michael Peschke

BPF Best Practice Forum GmbH

Bitte helfen Sie mit. Wenn Sie Ideen oder Best-Practice-Beispiele rund um die Corona-Krise im Mittelstand haben, senden Sie mir eine Mail (peschke@best-practice-forum.de). Bei einer Veröffentlichung nennen wir Ihren Namen.

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