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Axel Deilmann, Business Consulting, Essen

Corona-Überbrückungshilfe für KMU

Herr Deilmann, seit dem 10. Juli gibt es als eine wesentliche Maßnahme des Konjunkturpakets die Überbrückungshilfe. Was hat es damit auf sich?

Die Überbrückungshilfe ist quasi eine Fortführung der Soforthilfe, welche im März des Jahres ausgereicht wurde. Bei der Soforthilfe konnten KMUs nicht rückzahlbare Zuschüsse zwischen 9 T€ für bis 5 Beschäftigte, 15 T€ für bis 10 Beschäftigte erhalten und zwar kumuliert für die Monate März, April und Mai 2020. Zuständig waren die Bundesländer. Dadurch, dass die neue Überbrückungshilfe für die Monate Juni, Juli und August 2020 gezahlt wird, kann man es wirtschaftlich als eine Fortführung der Soforthilfe-Zuschüsse begreifen. Beantragung und Bewilligung laufen jedoch ganz anders ab als bei dem ersten „Schnellschuss-Verfahren“ der Soforthilfe.

Können Sie uns bitte die Grundzüge des neuen Programms skizzieren?

Zuschussberechtigt sind nur KMUs, deren Umsätze in der Zeit vom 01.04. bis 31.05.2020 um mehr als 60 % gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum in 2019 zurückgegangen sind. Liegt diese Berechtigung vor, werden nicht etwa Umsatzausfälle bezuschusst, sondern ausschließlich nachgewiesene Fixkosten.
Gleichwohl sind auch die erwarteten Umsatzminderungen gegenüber dem Vorjahr anzugeben, weil sie über die Höhe des Zuschusses zu den Fixkosten entscheiden. Diesmal werden die Monate gesondert, d. h. jeder für sich betrachtet. Ist in einem dieser Monate der Umsatzrückgang weniger als 40 %, gibt es für diesen Monat keinen Zuschuss. Die Fixkosten werden mit 80 % bezuschusst, wenn der Umsatzrückgang höher als 70 % ist; liegt der Umsatzrückgang zwischen 50 % und 70 %, mindert sich die Zuschussquote auf 50 % der förderfähigen Fixkosten und bei einem Umsatzrückgang von 40 % bis 50 % werden 40 % der förderfähigen Fixkosten bezuschusst.

Ist die Förderung abhängig von der Größe des Unternehmens?

Ja, bei Unternehmen bis 5 Beschäftigte ist die Förderhöhe auf 3 T€ pro Monat limitiert und bei solchen mit bis zu 10 Beschäftigten auf 5 T€ je Monat. Bei kostenintensiven Betrieben, bei denen rechnerisch der Erstattungsbetrag je Monat um mehr als das Doppelte höher ist als das Limit, können diese Maximalhöhen je Monat überschritten werden. Unternehmen mit mehr als 10 Beschäftigten können bis zu 50 T€ pro Monat der förderfähigen Fixkosten bezuschusst erhalten.

Wo und wie können KMU die Zuschüsse beantragen?

Zunächst ist wichtig zu wissen, dass die KMU selbst die Zuschüsse nicht beantragen können. Dies kann nur über akkreditierte Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder vereidigte Buchprüfer erfolgen. Der Gesetzgeber wollte offensichtlich diese Filterwirkung einbauen, nicht, weil man den Firmen misstraut, sondern um Missbrauch vorzubeugen. Der Steuerberater und / oder Wirtschaftsprüfer wird nicht in eigenem Namen tätig, sondern für das jeweilige KMU, sodass die Verantwortung für die richtige Beantragung nach wie vor beim KMU liegt.

Wird später nachgeprüft, ob die Angaben korrekt waren?

Stellt sich im Nachhinein heraus, dass Umsätze zum Beispiel viel zu niedrig angesetzt wurden, so erfolgt später anhand der tatsächlichen Ist-Zahlen eine Korrektur. Das antragstellende Unternehmen ist nämlich verpflichtet, wiederum über einen Steuerberater bis spätestens 31.12.2021 die tatsächlichen Umsatzerlöse anzugeben. Auch bei dieser Bestätigung wird man an die Umsatzsteuer-Voranmeldungen gebunden sein. Hinweis: die Anpassung funktioniert nur in eine Richtung, nämlich zur zinsfreien Rückzahlung. Wurden die Umsätze bei Antragstellung zu hochgeschätzt und ergibt sich aufgrund der Ist-Umsätze möglicherweise eine höhere Zuschussquote, so führt dies nicht zu einer nachträglichen Erhöhung des bereits ausgezahlten Zuschusses. Für die Praxis heißt dies, die Umsätze nach vertretbaren Maßstäben so niedrig wie möglich anzugeben, da eine spätere Rückzahlungspflicht unproblematisch ist, während eine nachträgliche Zuschusserhöhung nicht möglich ist.

Wir bedanken uns für das Gespräch Herr Deilmann.

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