07.10.2019

Was das EuGH-Urteil für das Gastgewerbe bedeutet

Cookie-Hinweise auf Websites

© Inga Nielsen - stock.adobe

Die Richter am Europäischen Gerichtshof (EuGH) haben jüngst - unter dem Aktenzeichen AZ C-673/17 – ein wichtiges Urteil zur Verwendung sogenannter Cookies auf Internetseiten gesprochen. Für die meisten Unternehmen im Gastgewerbe ist danach kein Cookie-Hinweis mehr nötig. Der Aufschrei in der Online-Werbebranche ist hingegen groß. Denn ohne Tracking-Cookies, die erst eine exakte Messung der Reichweiten von Bannern und personalisierte Werbeeinblendungen ermöglichen, brechen die Geschäftsmodelle weg.

Nur betriebsnotwendige Cookies verwenden

Cookies sind Textdateien, die Browser auf dem Rechner der Website-Besucher platzieren, um z. B. das Surfen und betriebsnotwendige Aktivitäten zu erleichtern, aber auch um mit passgenauen Werbe-Bannern oder Nutzerdaten Geld zu verdienen. Viele deutsche Websites verwenden bisher eine Einwilligung zur Verwendung von Cookies, die nach dem EuGH-Urteil und Expertenmeinungen nicht nur nicht notwendig, sondern überdies auch falsch ist.

Nutzer/innen von Websites müssen der Verwendung nur solcher Cookies zustimmen, die zum Betrieb der Website nicht notwendig sind. Betriebsnotwendig sind Cookies, die vom Seitenbetreiber (First Party) gesetzt werden, um zum Beispiel das Surfen nach einem Shop-Login zu vereinfachen. Würden sie nicht gesetzt, müsste bei jedem Seitenaufruf erneut das Passwort eingegeben oder der Warenkorb neu bestückt werden. Prüfen Sie daher genau, welche Cookies Ihre Online-Agentur zum Betrieb Ihrer Website verwendet. Verzichten Sie auf alle Cookies, die nicht notwendig sind. Dann sind Sie auf der sicheren Seite.

Auf nicht betriebsnotwendige Cookies verzichten

In das Blickfeld der EuGH-Richter sind vor allem sogenannte Tracking-Cookies geraten. Wenn Sie z. B. ein Nachrichtenportal mit Werbebannern von Drittanbietern (Third Parties) besuchen, können Sie sich Cookies einfangen, die Sie nicht kennen und die Ihr Surfverhalten aufzeichnen, um Ihnen dann „passende“ Werbemöglichkeiten an allen möglichen Stellen Ihrer Reise durch das Internet einzublenden. Sowas passiert auch, wenn Sie z. B. Facebook nutzen und sich nicht abmelden. Auch Google setzt Cookies, wenn auf einer Website Google Analytics oder Google Maps eingebunden ist. Prüfen Sie daher alternative Möglichkeiten.

Die EuGH-Richter haben solche Tracking-Tools nun nicht verboten. Sie haben aber klare Regeln gesetzt. Falls Sie Tracking Cookies doch verwenden, müssen Sie die Zustimmung zu jedem Cookie aktiv einholen. Sammelzustimmungen oder voreingestellte Ja-Häkchen sind nicht mehr erlaubt. Damit ist die aktuelle Praxis in Deutschland, die sich noch auf das Telemediengesetz beruft, eigentlich hinfällig. Der deutsche Gesetzgeber muss nun handeln. Derweil wiegelt der Bundesverband der Digitalen Wirtschaft (BVDW) noch ab und sieht im EuGH-Urteil keine generelle Einwilligungspflicht.

Alternativen zu Google Analytics

Um die Zugriffszahlen auf Ihre Website zu messen, können Sie z. B. auf die Rohdaten Ihrer Logfiles zugreifen. Die kann Ihr Hosting-Dienstleister aufzeichnen. Mit speziellen Analyse-Tools wie AWStat oder Matomo (früher PIWIK) ist auch eine vernünftige Darstellung möglich. Die deutschen Datenschutzbeauftragten sehen die Verwendung dieser Varianten als unkritisch, wenn die IP-Adressen der Nutzer beim Tracking anonymisiert werden und das Speichern der Logfile-Daten auf dem eigenen Website-Server erfolgt. Doch so ganz eindeutig ist die Situation in Deutschland aktuell nicht. Möglicherweise bringt die ePrivacy-Verordnung der EU im nächsten Jahr Klarheit.

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