Hoteliers und Gastronomen aufgepasst

Kommt die Inflation?

© marcus_hofmann - Fotolia

Die Staatsverschuldung kennt in der Corona-Krise keine Grenzen. So weitet der neue italienische Ministerpräsident Mario Draghi gerade sein Konjunkturprogramm massiv aus. Italiens Neuverschuldung steigt um 170 Mrd. Euro. Hinzu kommen die 200 Mrd. Euro aus dem EU-Wiederaufbaufonds. Auch in den anderen westlichen Ländern fallen alle finanzpolitischen Hemmungen. Jeder nimmt einen großen Schluck aus der Geldpulle.

Finanziert wird der ganze Spaß seit Jahren von den Zentralbanken. Sie kaufen zuvor emittierte Staatsanleihen und weiten dadurch die Geldmenge aus. Die aggregierte Bilanzsumme der Zentralbanken Fed, EZB, Bank of England, Bank of Japan und SNB hat sich seit 2006 von 3 Billionen Euro auf nunmehr 17 Billionen Euro Ende 2020 erhöht. Allein die Bilanzsumme der EZB stieg von 1.878 Mrd. Euro 2010 auf 7.055 Mrd. Euro (Februar 2021). Und es geht weiter. Die geplante Geldmengenausweitung 2020-2021 beträgt allein in der EU rund 3,2 Billionen Euro aus den beiden größten Programmen:

  • 1.850 Mrd. Euro PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme),
  • 1.308 Mrd. TLTRO III (Targeted longer-term refinancing operations).

So ist in der Eurozone die Geldmenge M3 2020 auf über 14 Billionen Euro gestiegen, gegenüber 12 Billionen Euro 2019. Diese zentrale geldpolitische Steuerungsgröße setzt sich zusammen aus Sichteinlagen, Bargeld außerhalb der Banken, Termin-/Spareinlagen und kurzfristigen Anleihen. Hinzu kommt noch die Geldmenge M0, die sich aus Bargeld bei Banken und Nichtbanken sowie Sichteinlagen der Geschäftsbanken bei Zentralbanken zusammensetzt. Sie wird vermutlich auf 6 Billionen Euro bis Mitte 2021 steigen.

Geldentwertung

Eine steigende Geldmenge führt automatisch zu einer Geldentwertung, wenn die Realgütermärkte nicht im selben Maße wachsen oder sogar wie aktuell in der Corona-Krise schrumpfen. Inflationäre Tendenzen sind bisher aber nur in Sachwerten wie Immobilien und Aktien zum Vorschein getreten. Die offizielle Inflationsrate für Realgüter in Deutschland liegt dagegen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Frühjahr 2021 lediglich bei 1,7 Prozent. Für das Gesamtjahr 2021 prognostizieren Ökonomen aber bereits 3,6 Prozent.

Kritiker wie Prof. Gunther Schnabl von der Universität Leipzig halten die offiziellen Inflationsraten für zu niedrig. Preistreiber wie Energie und Mieten würden im offiziellen Warenkorb nicht richtig abgebildet. Auch gäbe es versteckte Preiserhöhungen, wenn z. B. die Inhalte bei gleichbleibenden Verpackungsgrößen und Preisen sinken. Echte Preise würden zudem verschleiert, um Löhne und Renten nicht so stark anheben zu müssen. Staat und Unternehmen profitieren davon.

Nicht nur die steigende Geldmenge, sondern auch die seit Wochen stark steigenden Rohstoff- und Containerpreise könnten Vorboten einer Inflation sein. Hinzu kommen Lieferengpässe in einigen Branchen. Industrieholz, Halbleiter und PE-Folien werden z. B. knapp. Bauunternehmer und Handwerker haben bereits Kalkulationsprobleme.

Liquiditätsfalle

Im Augenblick entfaltet die stark gestiegene Geldmenge noch wenig Wirkung, da Geld auf den Bankkonten gehortet wird. Die Konsum- und Investitionsneigung ist in der aktuellen Krise gering. Die Lockdowns verhindern das Geldausgeben. Dementsprechend ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes extrem niedrig. Die Sparquote stieg 2020 dagegen stark an. Das Geld steckt in der klassischen keynesianischen Liquiditäts- und Investitionsfalle. Interessant ist, wie sich das Geldvermögen in Deutschland, das sich von 3,4 Billionen Euro 2000 auf 6,7 Billionen Euro Ende 2020 erhöht hat, auf die Anlagearten verteilt (Deutsche Bundesbank):

  • 2.442 Mrd. Euro Lebensversicherungen, Pensionsfonds,
  • 1.926 Mrd. Euro Bargeld und Girokonten,
  • 809 Mrd. Euro Termin- und Sparanlagen,
  • 731 Mrd. Euro Aktien,
  • 688 Mrd. Euro Investmentfonds,
  • 144 Mrd. Euro Schuldverschreibungen, Sonstiges.

Kippunkt naht

Falls nach Beendigung des Lockdowns die Stimmung dreht, kann die Inflation durch eine Geldflutung der Gütermärkte jedoch schnell steigen. Ökonomen wie Hans-Werner Sinn warnen daher eindringlich vor der Gefahr einer galoppierenden Inflation, die von den Zentralbanken dann kaum noch beherrscht werden kann. Der zeitliche Kippunkt ist nach der geldtheoretischen Quantitätsgleichung von Fisher in einer vereinfachten Sichtweise dann erreicht, wenn die Geldmenge das Bruttoinlandsprodukt (BIP) übersteigt. Im Euroraum ist das BIP durch den Corona-Schock auf rund 10 Billionen Euro abgerutscht. Die EZB-Bilanzsumme beträgt aktuell fast 8 Billionen Euro. Mit den neuen Billionen-Rettungspaketen der EZB könnte die Geldmenge bald schon über dem BIP liegen. Eine weitere Gefahr im Euroraum besteht darin, dass die Assets der EZB vor allem aus nicht werthaltigen Anleihen der Südländer Griechenland, Spanien und Italien bestehen. Die deutschen Steuerzahler stehen damit auch hier in der Haftung, denn größter Anteilseigner an der EZB ist die Bundesbank.

Was tun?

Die Inflationsangst treibt die Aktien- und Immobilienpreise weiter an. Sachwerte sind gefragt. Erstaunlich stabil ist noch der Goldpreis. Viele investieren stattdessen spekulativ in Bitcoins und andere Kryptowährungen.

Unternehmerisch agieren heißt Chancen und Risiken frühzeitig zu erkennen. Bereiten Sie sich daher schon jetzt auf eine mögliche Inflation vor. Stellen Sie z. B. sicher, dass Ihre Kundenverträge Preisgleitklauseln haben, Ihre Lieferantenverträge dagegen aber nicht. Auch bei Mietverträgen helfen Indexklauseln.

Autor: Dr. Michael A. Peschke

copyright hoga-professional.de

Unser Partner

Gratis-Ratgeber herunterladen!

Corona-Neustart - alles auf den Prüfstand. Verschaffen Sie sich einen aktuellen Überblick und Wissensvorsprung.

Auch interessant

Wie Sie die Sinne Ihrer Gäste aktivieren

Sensorisches Marketing