Strategien bei Inflation

Preiskalkulation

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Das Gastgewerbe hat in den letzten 15 Monaten stark gelitten. Nun ist die Öffnung da, wenn auch mit platzverknappenden Corona-Regeln. Einige Gastronomen und Hoteliers haben bereits intuitiv die aktuelle Inflation berücksichtigt und ihre Preise erhöht, auch um den erlittenen Umsatzausfall zu kompensieren. Ist das der richtige Weg? Was ist die Strategie bei zunehmender Geldentwertung?

Gründe für die Inflation

Deutschland hat in den letzten 100 Jahren drei Inflationen durchgemacht, 1918-1923, nach dem zweiten Weltkrieg und in der Ölkrise der 1970iger Jahre. Traumatisch war vor allem 1923, wo ein Laib Brot im November 100 Mrd. Mark kostete und die Mittelschicht verarmte. So weit sind wir noch nicht, aber die Alarmsignale für einen Übergang von einer schleichenden zu einer galoppierenden Inflation sind da. Prof. Hans-Werner Sinn, Deutschland berühmtester Ökonom, wird nicht müde davor zu warnen. Die Politik und EZB beschwichtigen und sehen die Inflationsrate offiziell gemessen nur bei 3 % und nur als vorübergehend an. Da eine Inflation im Interesse der fast überall hoch verschuldeten Staaten ist, sollten Sie bei solchen Aussagen skeptisch sein. Auch vor den letzten Crashs 1998, 2000 und 2008 haben die Zentralbanken und politischen Akteure abgewiegelt. Bilden Sie sich daher eine eigene Meinung. Inflation lässt sich gut anhand der geldtheoretischen Quantitätsgleichung erklären. Danach ergibt sich der Preis vereinfacht wie folgt:

Preis = (Geldmenge x Umlaufgeschwindigkeit des Geldes) / Warenangebot

  • Geldmenge: Die EZB „druckt“ derzeit Geld über den Kauf von Anleihen vor allem der südlichen Euroländer als ob es kein Morgen gäbe. Begründet wird das zuletzt auch mit Corona. Die EZB-Bilanzsumme hat sich alleine in den letzten 24 Monaten auf 8 Billionen Euro verdoppelt. Weitere drei Billionen Euro werden folgen. Die gekauften Anleihen von Südländern wie Griechenland, Spanien und Italien sind dabei nicht wirklich werthaltige Assets. Auch die Geldmenge M3, in die Bargeld, Sichteinlagen und Sparguthaben eingehen, ist im Euroraum auf über 14 Billionen Euro gestiegen. Damit ist die Geldentwertung ohnehin schon da.
  • Umlaufgeschwindigkeit: Eine gegebene Geldmenge aus Bargeld und Kontoguthaben vergrößert sich ökonomisch, wenn die Zahl der Transaktionen steigt. 1923 war das extrem, wo Geldscheine wie eine heiße Kartoffel weitergegeben und binnen Minuten gegen Sachwerte getauscht wurden. Durch den Corona-Lockdown ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes weltweit gesunken, vermutlich auf 0,5 (normal war immer 1). Allein in Deutschland sind dadurch die Konten um knapp 300 Mrd. Euro angeschwollen. Es hat sich einiges angestaut. Der Nachholbedarf ist nun groß. Die Leute wollen was erleben.
  • Angebot: Die produzierten Waren und Dienstleistungen einer Volkswirtschaft werden im Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessen. Es ist im Euroraum auf 10 Billionen Euro gefallen. Auch in Deutschland betrug der preisbereinigte Rückgang 2020 rund -5 % und im ersten Quartal 2021 noch immer -1,8 %. Aktuell erleben wir in vielen Branchen Lieferengpässe. Mikrochips, Holz, Stahl und Beton werden knapp. Die Preise für Rohstoffe und Material steigen zweistellig. Auch die Preise für Lebensmittel steigen fühlbar.

Setzen wir nun die Zahlen einfach mal in die Gleichung ein. So ergibt sich: P = (14 x 0,5)/10) = 0,7. Das war vermutlich die Situation im Winter-Lockdown, wo es sogar Preissenkungen gab. Wenn nun die Umlaufgeschwindigkeit wieder auf 1 oder sogar auf 1,5 und mehr steigt und sich gleichzeitig die Geldmenge weiter erhöht und das Angebot verknappt, können Sie sich leicht ausrechnen, wohin die Reise geht.
Bei den Aktienkursen und Immobilienpreisen ist die starke Inflation übrigens schon seit Jahren da. Investoren befinden sich dort allerdings in einer Geldillusion.

Was tun an der Preisfront?

Wenn Sie Ihre Preise auch in Zukunft vernünftig kalkulieren möchten und/oder um Erhöhungen Ihrer Angebotspreise nicht herumkommen, dann sieht es so aus:

  • Vorräte anlegen: In der Bauwirtschaft und im Handwerk erleben wir gerade Hamsterkäufe. Wer dort Geld und Lagerplätze hat, kauft, was er bekommen kann. Ein besseres Investment, Fiatgeld gegen Branchenwaren, gibt es nicht. Wenn Sie als Gastronom Kühlräume haben oder irgendwo anmieten können, schlagen Sie zu. So preiswert wie heute wird es nicht mehr.
  • Lieferpreise fixen: Wenn noch möglich, sollten Sie mittel- bis langfristige Lieferverträge ohne Preisgleitklauseln abschließen. Sie verlagern dann das Preisrisiko auf Ihre Lieferanten. Wir erleben gerade, dass viele Handwerker mit Bauherren Festpreise vereinbart haben und nun die gestiegenen Preise für Baumaterialien nicht an ihre Auftraggeber weiterreichen können. Dumm gelaufen. Einige werden das wirtschaftlich nicht überleben.
  • Materialsubstitution: Experten befürchten gerade einen Anstieg von Pfuscharbeiten im Handwerk. Wenn Preissteigerungen nicht weitergegeben werden können, dann wird weniger Material verwendet oder minderwertigerer Ersatz verbaut. Als Gastronom können Sie auch auf preiswertere Rohstoffe ausweichen, z. B. auf heimisches Gemüse, am besten noch selbst angebaut. Die Zeiten von teuren Convenience-Produkten in der Küche dürfte vorbei gehen.
  • Weniger Inhalte: Die Nahrungsmittelindustrie fängt nun im großen Stil an, Verpackungsgrößen und Preise stabil zu halten, dafür aber die Inhalte zu reduzieren. Auch die Brötchen beim Bäcker werden bei gleichem Preis immer kleiner. In der Gastronomie können Sie schrittweise ebenfalls so vorgehen und z. B. voluminösere Salatdeko verwenden. Ist und bleibt jedoch Täuschung.
  • Wertsteigerung: Schaffen Sie für Kunden ein wertigeres Gesamtangebot. Renovieren Sie Ihr Lokal. Setzen Sie auf hochwertiges Interieur und Ambiente. Kreieren Sie neue Gerichte, die Wettbewerber nicht haben. Spielen Sie mit allen Sinnen (Hören, Sehen, Fühlen, Riechen, Schmecken). So können Sie höhere Preise geschickt verschleiern. Vielen Gästen ist nicht nur der Preis wichtig.

Bereiten Sie sich also mental und operativ auf die aktuelle Entwicklung vor, damit Sie nach Corona nicht noch eine zweite Überraschung erleben. Eine Inflation ist das süße Gift der Schuldenpolitiker und führt als versteckte Steuer zu einer schleichenden Enteignung und Verarmung der Bevölkerung.

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