Stimmung trübt sich auch im Gastgewerbe ein

Wirtschaftskrise spitzt sich zu

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Die wirtschaftlichen Hiobsbotschaften nehmen kein Ende. Die Inflation bleibt hoch, die Konsumlaune sinkt und der Euro schwächelt. Zudem hat Wirtschaftsminister Robert Habeck die Stufe 2 im Notfallplan Gas ausgerufen, der weitreichende Folgen auch für das Gastgewerbe haben kann. Hier der aktuelle Stand der Entwicklungen:

Notfallplan Gas

Derzeit befinden wir uns in der Stufe 2 von 3 des Notfallplans Gas. Es ist die Alarmstufe, in der die Gasversorgung erheblich gestört ist. Markt und Speicher können die Nachfrage zwar noch decken, Industrie und Privatkunden sind aber zum sparsamen Umgang mit Gas aufgerufen. Zudem, und das ist in dieser Stufe 2 die eigentliche Bedrohung, können die Gasversorger die erhöhten Preise trotz laufender Versorgungsverträge direkt an Unternehmen und Haushalte weitergeben. Experten befürchten daher in den nächsten Wochen eine Vervielfachung der derzeitigen Gaspreise. Das kann für viele produzierende Unternehmen und Privathaushalte die Insolvenz bedeuten. Aber auch für Restaurants und Hotels dürften die Kostensteigerungen schmerzhaft sein. Tritt gar die Notfallstufe 3 ein, etwa wenn Russland die Gaslieferung stoppt, dann haben wir den Supergau. Der Staat übernimmt dann das Zepter und steuert den Mangel. Aktuell beginnen schon die Verteilungskämpfe zwischen Unternehmen und Haushalten.

Und was macht die Bundesregierung, die mit ihrer Energiewende maßgeblich zur aktuellen Krise beigetragen hat? Erstaunlich wenig. Robert Habeck lässt zwar die Kohlekraftwerke zunächst weiterlaufen, übt aber den Kniefall vor den arabischen Prinzen und ziert sich noch, die drei verbliebenen Kernkraftwerke in Deutschland nicht Ende 2022 vom Netz zu nehmen. Das ist fahrlässig, zumal die USA auch mit ihrem Fracking-Gas nicht ausreichend einspringen können und wollen. Starökonom Prof. Hans-Werner Sinn mahnt daher zu Recht vor der Gefahr, die deutsche Wirtschaft aus idiologischen Gründen zu zerstören. Allmählich, so scheint es, setzt sich die Vernunft durch und Kernkraft wird wieder salonfähig.

Gelddrucken geht weiter

Die Gefahr für den Mittelstand wächst aber auch durch die zerstörerische und inflationstreibende Geld- und Zinspolitik der EZB. Sie druckt munter weiter Geld, um vor allem die maroden südeuropäischen Länder zu finanzieren. Die Finanzierung (Monetarisierung) von Staaten über die Druckerpresse ist zwar nach den Maastrichter Verträgen verboten, aber längst sind alle Dämme gebrochen. Die EZB-Bilanz ist durch den permanenten Kauf von auch nicht mehr sicheren Staatsanleihen mittlerweile auf knapp 9 Billionen Euro gestiegen, die Geldmenge dementsprechend auch. Bedenkt man, dass die Wirtschaft in der Eurozone vor dem Finanzmarktcrash 2008 mit einer Geldmenge von knapp 900 Mrd. Euro gut ausgekommen ist und die Wirtschaft seither nur noch marginal gewachsen ist, so ist ein Rückgang der Inflationsrate nicht wahrscheinlich. Im Gegenteil, sie ist im Euroraum im Juni 2022 auf 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Auch der Anstieg der Erzeugerpreise in Deutschland lässt nichts Gutes erwarten. Sie sind im Mai auf 33,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen.

Nicht nur das. Die EZB, die sich in eine Sackgasse manövriert hat, bleibt auch weitgehend bei ihrer Nullzinspolitik. Die Anhebung um 0,5-Prozentpunkte ist marginal. Da die US-amerikanische Notenbank FED, hinter der seit ihrer Gründung 1913 - anders als zu vermuten - private Geschäftsbanken stecken, ihre Zinssätze stärker anhebt, ist der Euro gegenüber dem Dollar seit Jahresbeginn stark gefallen. Dementsprechend heizen die Importe, vor allem in Dollar fakturierte Waren wie Öl, die Inflation in der Eurozone weiter an.

Eurokrise kommt zurück

Wenn die FED ihre Zinssätze weiter erhöht, auch wenn sie damit eine US-Rezession und Crashs auf den Aktien- und Immobilienmärkten auslöst, wird sich die EZB nicht mehr lange zieren können. Stärker steigende Zinsen in der Eurozone führen dann zu einer Rückkehr der Eurokrise, weil die hoch verschuldeten Südländer Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und Griechenland unter starkem finanziellen Druck geraten. 

Digitalisierung

Parallel zur Wirtschaftskrise steigt aber die Notwendigkeit im Mittelstand, Geschäftsmodelle, Produkte, Services und Geschäftsprozesse zu digitalisieren. Auch im Gastgewerbe steigt der Digitalisierungsdruck. Nur so kann man auf Dauer Kosten senken, Fachkräftemangel ausgleichen und damit die Existenz des Unternehmens sichern. Es sind harte und unsichere Zeiten, die aber auch genügend Chancen bieten.

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