Ein aktueller Überblick

Gastgewerbe im Herbst 2023

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Das Statistische Bundesamt meldet für viele überraschend beim deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal 2022 ein leichtes Wachstum von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Damit ist Deutschland offiziell noch nicht in eine Rezession abgerutscht, obwohl andere Indikatoren schlechtere Zahlen erwarten ließen. Hier ein Überblick über die auch für das Gastgewerbe wichtige aktuelle wirtschaftliche Lage im Herbst.

Konsumneigung

Der leichte Aufschwung zwischen Juli und September ist offensichtlich durch die hohe Binnennachfrage getrieben. Wie jeder beim Gang durch die Städte und Naherholungsgebiete sehen kann, sind die Restaurants vor allem angesichts des schönen Wetters voll. Die Außengastronomie boomt. Auch die Urlaubsgebiete in Deutschland sind im Spätsommer gut frequentiert. Der Nachholbedarf nach den harten Corona-Zeiten ist offenbar hoch. Man gönnt sich was.

Doch bereits im September zogen im deutschen Gastgewerbe wieder die Gewitterwolken auf. Die Umsätze rutschten um 7 Prozent unter das Vorkrisenniveau. Die Menschen werden angesichts steigender Energie- und Lebensmittelpreise wieder vorsichtiger. In den Feriengebieten fürchten Hoteliers und Gastronomen nun, dass viele Urlauber aus Deutschland und dem angrenzenden Ausland (z. B. Niederlande) den Zweit- und Dritturlaub in Deutschland streichen, um Geld für Krisenzeiten zu sparen.

Inflation bleibt länger

Vor allem bei vielen deutschen Haushalten mit geringem und mittlerem Einkommen nagt die Inflation weiter am Budget. Der Verbraucherpreisindex wird nach Expertenschätzungen im Oktober voraussichtlich auf 10,4 Prozent steigen. Damit ist die Inflationsrate in Deutschland nach September erneut zweistellig. Die deutsche Bundesbank warnt bereits, dass die Geldentwertung länger andauern wird, obwohl die Strom- und Gaspreise im Oktober überraschend und wohl nur vorübergehend wegen des guten Wetters und der mittlerweile gefüllten Gasspeicher gefallen sind.

  • Erzeugerpreise: Die Preise im Geschäft zwischen den Unternehmen stiegen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im September 2022 um satte 45,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es ist zu erwarten, dass ein Großteil dieser Preissteigerungen mit einer Zeitverzögerung bei den Konsumenten ankommt.
  • Lohn-Preis-Spirale: Der Mindestlohn ist im Oktober auf 12 Euro pro Stunde gestiegen. Für viele Branchen aus dem Niedriglohnbereich wie das Gastgewerbe bedeutet das ein Anstieg der Personalkosten um über 20 Prozent seit Anfang 2022. Auch in den etablierten Industriebranchen und im öffentlichen Dienst ist mit hohen Tarifabschlüssen zu rechnen, um die steigenden Verbraucherpreise zumindest teilweise zu kompensieren.
  • Nachfragestimulierung: Die Bundesregierung legt immer neue Stützungs- und Hilfsprogramme auf, wie z. B. den neuen Doppel-Wumms in Höhe von 200 Mrd. Euro. Das Geld wird größtenteils direkt an Haushalte und Unternehmen ausgeschüttet und kann sofort nachfragewirksam werden.
  • Angebotsverknappungen: Bei Rohstoffen, Material und Vorprodukten gibt es immer noch Lieferengpässe. Aber auch im Inland sorgen hohe Krankschreibungen und noch bestehende Quarantäneregelungen dafür, dass viele Dienstleistungen verknappt werden. Eine hohe Nachfrage trifft auf ein verringertes Angebot und treibt die Preise.

Zinssätze steigen weiter

Große Gefahr für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland droht auch von weiteren Zinssteigerungen. Die EZB hat den Leitzins jüngst um 0,75 Prozentpunkte auf 2 Prozent angehoben und den Ankauf von Staatsanleihen reduziert. Im Zuge dessen steigen auch die Zinssätze für Immobilien- und Unternehmenskredite weiter auf mittlerweile über 4 Prozent. Dadurch wird das Budget von Familien mit neuen oder zu verlängernden Immobilienkrediten weiter geschmälert. Auch dürfte das Geld bei vielen Unternehmen für Tagungen, Geschäftsessen und Jubiläumsfeierlichkeiten nicht mehr so locker sitzen.

Fazit für das Gastgewerbe

  • Kostensenkung: Reduzierte Öffnungszeiten, geringerer Service und kältere Räume sind derzeit angesagt, aber auch gefährlich, wenn dadurch Gäste wegbleiben.
  • Preispolitik: Gestiegene Preise müssen an Gäste weitergegeben werde. Daran führt kein Weg vorbei. Die Zeit dafür ist günstig. Gute Argumentationen, psychologische Preistricks und neue Preismodelle wie Flatrates (z. B. Espresso House) können dabei helfen.
  • Marketing: Wenn die Margen im Gastgewerbe schwinden, bleibt auch weniger für Marketing und Vertrieb übrig. Gefragt sind daher kreative Aktionen für kleines Geld.

Vortrag am 7.12. in Dortmund

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