10.11.2025

Ende der Minibars

Hotels gehen neue Wege

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Die Minibar in Hotelzimmern verschwindet mehr und mehr. Stattdessen gibt es flexiblen Service, Automaten oder Mini-Shops in der Hotel-Lobby.

Die Entscheidung z. B. der Legere Hotel Group, klassische Minibars durch 24/7‑Essentials‑Shops zu ersetzen, steht stellvertretend für einen breiten Wandel in der Hotellerie. Immer mehr Häuser verabschieden sich von den stromfressenden, wartungsintensiven Minikühlschränken und setzen auf digitale, nachhaltige oder gemeinschaftlich nutzbare Alternativen.

Von der Minibar zum Hotelshop

Legere Hotels hat ein einheitliches Konzept geschaffen: Fünf bis 15 Euro Guthaben beim Check‑in, ein digitaler Einkauf im Self‑Service‑Shop und flexible Auswahl rund um die Uhr. Damit verbindet die Gruppe Komfort mit Kostenbewusstsein. COO Andreas von Reitzenstein spricht von „mehr Flexibilität und Markenidentität“, während CEO Sven Köllmann betont, dass klassische Minibars dem modernen Konsumverhalten nicht mehr entsprechen.

Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit als Treiber

Die ökologischen und ökonomischen Argumente gegen Minibars sind stark. Ein durchschnittlicher Minikühlschrank läuft 24 Stunden am Tag, verursacht hohe Energiekosten und erfordert Personal für die Nachfüllung und Reinigung. Viele Getränke bleiben ungenutzt, was zu Lebensmittelverschwendung führt. Hinzu kommt der Lärm im Zimmer, der die Schlafqualität beeinträchtigen kann. Für Hotels mit hunderten Zimmern summieren sich die Belastungen, ohne dass der Umsatz dies rechtfertigt.

Gerade nachhaltige Häuser reagieren darauf: So ersetzte das Gut Sonnenhausen bei München die Minibar durch eine zentrale Honesty Bar mit regionalen Produkten. Das Lifestylehotel Sand bietet Getränke‑Bestellung per App.

Digitale Kühlschränke als neue Lösung

Eine wachsende Zahl an Hotels wählt intelligente Verkaufsautomaten in der Lobby. Gäste kaufen Getränke und Snacks kontaktlos. Das System registriert Verkäufe automatisch und passt das Sortiment datenbasiert an.

Mini‑Markets mit großem Potenzial

Auch modulare Mini‑Markets gewinnen an Bedeutung. Hotels werden von speziellen Dienstleistern mit maßgeschneiderten 24/7‑Shops ausgestattet, die digitale Zugangssysteme nutzen und ohne Personal funktionieren. So können Hoteliers zusätzliche Verkaufsflächen schaffen, das Interiordesign einbeziehen und Gäste mit individuellen Artikeln versorgen – von Snacks bis hin zu Reiseutensilien.

Die Rolle der Sterneklassifizierung

In Luxushotels bleibt die Minibar trotz aller Trends teils Pflicht, da die Klassifizierungsrichtlinien entweder eine Minibar oder einen 24‑Stunden‑Zimmerservice verlangen.

Gästeerwartungen im Wandel

Der Trend zeigt: Gäste wünschen sich eine Wahlfreiheit statt Standardausstattung. Viele nutzen die Minibar kaum, begrüßen aber eine Lounge, Lobby‑Bar oder einen Automaten mit fairen Preisen.

Fazit: Service neu gedacht

Die Entwicklung hin zu digitalen, flexiblen und nachhaltigen Modellen verändert das Verhältnis von Gast und Hotel. Ob Essentials‑Shop, Smart Fridge oder Honesty Bar, der Trend geht in Richtung Selbstbestimmung, Effizienz und moderner Markenführung. Die Entscheidung von Legere Hotels, Minibars vollständig abzuschaffen, zeigt exemplarisch, wie die Branche auf veränderte Erwartungen reagiert: Hotels werden zu Orten, die weniger über Ausstattung und mehr über smarte Services definiert sind.

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