Was ist erlaubt, was ist verboten?

Krankschreibung

© blende11.photo - stock.adobe

Es ist wieder Erkältungszeit und viele Arbeitnehmer/innen melden sich krank. Krankentage sind nicht nur für den Arbeitnehmer, sondern auch für den Arbeitgeber bitter. Sie führen oft zum Streit in Unternehmen. Wir klären auf, was Arbeitnehmer/innen im Krankheitsfall dürfen und was nicht.

Was bedeutet „Arbeitsunfähigkeit“?

Ist der Arbeitnehmer „arbeitsunfähig“ vom Arzt krankgeschrieben, muss er nicht zwangsläufig das Bett oder das Haus hüten. Er muss sich allerdings so verhalten, dass die Genesung nicht beeinträchtigt wird. Das ist auch Ihr Interesse als Arbeitgeber. Schließlich müssen Sie in der Regel erst einmal sechs Wochen das Entgelt weiterzahlen.

Laut Rechtsprechung liegt Arbeitsunfähigkeit vor, wenn der Arbeitnehmer aufgrund von Krankheit seine Tätigkeit nicht mehr oder nur unter der Gefahr der Verschlimmerung der Erkrankung ausführen kann. Arbeitsunfähigkeit liegt auch dann vor, wenn absehbar ist, dass aus der Ausübung der Tätigkeit gesundheitlich negative Folgen erwachsen, die eine Arbeitsunfähigkeit unmittelbar hervorrufen können. Es kommt also immer auf den Einzelfall an.

Das dürfen Arbeitnehmer/innen

Erlaubt sind alle Tätigkeiten, sofern diese im konkreten Fall die jeweilige Erkrankung nicht verschlimmern, den Genesungsprozess nicht verzögern oder die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit fördern, z. B.:

  • Einkaufen
  • Spazierengehen, auch verreisen, z.B. bei Atemwegsproblemen an die See
  • Kino-, Theater- oder Restaurantbesuche mit Sehnenscheidenentzündung
  • Sport, z.B. Schwimmen oder Gymnastik bei Rückenproblemen, Joggen bei Burn-Out
  • Bewerbungsgespräche mit beeinträchtigtem Arm
  • Genehmigte Nebentätigkeit, sofern sie die Genesung nicht verzögert

Im Zweifel bestimmt einzig und allein der Arzt, was der Patient tun sollte und tun darf, solange er krankgeschrieben ist. Die Erfahrung zeigt: Die Arbeitsgerichte folgen in der Regel der ärztlichen Anordnung.

Das geht nicht

Misstrauisch dürfen Sie als Arbeitgeber werden, wenn der arbeitsunfähige Arbeitnehmer Tätigkeiten ausführt, deren Art oder Belastungsgrad geeignet sind, die Krankheit zu verschlimmern oder den Genesungsprozess zu beeinträchtigen oder gar zu gefährden. Dazu müssen Sie allerdings die Krankheit des Arbeitnehmers kennen. Hier beispielhaft einige Aktivitäten, die die Gerichte als unvereinbar mit einer Arbeitsunfähigkeit beurteilt haben:

  • mit Hirnhautentzündung zum Skifahren in die Schweiz
  • mit psychischer Erkrankung an einem Marathonlauf teilnehmen
  • mit Rückenleiden schwere Garten- oder Renovierungsarbeiten ausführen
  • mit Verletzung des Knies Fußball spielen
  • mit akuten Bauchschmerzen im eigenen Schankbetrieb arbeiten

Wenn Sie konkrete Anhaltspunkte bzw. Beweise haben, dass das Verhalten des Arbeitnehmers pflichtwidrig ist, also den Genesungsprozess beeinträchtigt und vielleicht sogar konkret gegen eine ärztliche Auflage verstößt, können Sie zunächst eine Abmahnung aussprechen. Wenn Sie sicher sind, dass die Krankheit nur vorgetäuscht ist, ist eine fristlose Kündigung aufgrund der Täuschung des Arbeitnehmers über eine nicht bestehende Arbeitsunfähigkeit denkbar. Erhebt der Arbeitnehmer gegen die Kündigung Kündigungsschutzklage, muss die Täuschung durch den Arbeitgeber lückenlos nachgewiesen werden.

copyright hoga-professional.de

Unser Partner

Auch interessant

Transparenz schafft Vertrauen

Offene Kommunikation in der Krise

Drucken