Tricks der Erbschleicher erkennen

Erbschleicherei

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Die Aussicht auf viel Geld weckt bei zahlreichen Menschen unschöne Begehrlichkeiten. Das gilt vor allem dann, wenn größere Vermögen aus einem Nachlass zu verteilen sind. So gibt es immer wieder Personen, die durch besondere Nähe und Hilfsbereitschaft das Vertrauen des Erblassers gewinnen und ihn zu einer Testamentserrichtung oder -änderung bewegen. Nicht selten handelt es sich um Erbschleicherei, ein immer häufiger auftretendes Phänomen in einer Zeit, in der die Bevölkerung immer älter wird.

Testierfreiheit und Testierfähigkeit

Jedes Vermögen kann auch ohne Testament vererbt werden. Dann tritt die gesetzliche Erbfolge ein, bei der Ehegatten und Verwandte berücksichtigt werden. Da es im deutschen Erbrecht die Testierfreiheit gibt, kann jeder seine Erben selbst bestimmen. Die gesetzlichen Erben können enterbt und stattdessen andere Personen eingesetzt werden. Das kann die hilfsbereite Nachbarin, die gute Freundin oder auch die heimliche Geliebte sein. Die Willensbekundung setzt jedoch voraus, dass der Erblasser testierfähig war, also die Fähigkeit besaß, sein Testament rechtswirksam frei zu errichten.

Typische Tricks

Nicht jede Person, die Hilfe leistet und im Testament bedacht wird, ist ein Erbschleicher. Die Grenzen zwischen ehrlicher Zuwendung und vorgetäuschter Hilfe sind nicht immer zu erkennen. Für Erbschleicherei gibt es kein festes Muster. Folgende Vorgehensweisen können jedoch ein Hinweis sein.

  • Vertrauen: Opfer sind häufig ältere, alleinstehende und wohlhabende Menschen, die keine Vertrauensperson haben. Erbschleicher können Fremde, Freunde oder Verwandte sein, die zuerst Vertrauen aufbauen und anschließend die Hilfslosigkeit des Menschen ausnutzen. Doch es müssen nicht immer Fremde sein. Selbst die eigenen Kinder können sich durch Erbschleicherei gegenseitig das Erbe abspenstig machen, etwa dann, wenn eines der Kinder die Pflege des Elternteils übernimmt, und die anderen eine nicht so enge Beziehung haben oder in einer anderen Stadt wohnen.  
  • Isolation: Um nicht aufzufallen, werden die nächsten Angehörigen und andere nahestehende Personen von dem Menschen ferngehalten. Anrufe werden blockiert. Es werden immer wieder neue Vorwände und gesundheitliche Gründe vorgebracht, wieso ein persönliches Gespräch oder ein Besuch nicht möglich sind.
  • Geschenke: Erbschleicher versuchen auch gerne, das Vermögen der Person bereits zu Lebzeiten durch Schenkung zu bekommen. Beliebt sind Geldgeschenke und Schmuck.
  • Vorsorgevollmacht: Auch sie bergen eine große Missbrauchsgefahr. Nicht selten versuchen Erbschleicher Vorsorgebevollmächtigter zu werden, um die Vorsorgevollmacht anschließend für eigene Zwecke zu nutzen.
  • Testament: Der letzte Wille kann auch handschriftlich verfasst werden. Erbschleicher kennen sich mit den Formulierungen aus und können den Betroffenen dazu veranlassen, ein entsprechendes Testament aufzusetzen. Oftmals verschwinden auch ältere Testamente, vor allem wenn sie eine Bindungswirkung enthalten und nicht durch ein neues Testament ersetzt werden können.

Vor „falschen Erben“ schützen

Ein gutes Verhältnis und regelmäßiger Kontakt zum Erblasser sind der beste Schutz gegen Erbschleicherei. Wer sich nicht selbst darum kümmern kann, kann beim Amtsgericht eine Betreuung veranlassen. Gemeinschaftliche Testamente (Berliner Testament) und Erbverträge haben Bindungswirkung und können nicht überraschend geändert werden. Testamente sollten immer in amtliche Verwahrung gegeben werden – noch besser ist es, wenn sie von einem Notar errichtet werden.  

Um pflege- oder hilfsbedürftige Erblasser zu schützen, ist es sogar gesetzlich verboten, Heimleitern, Pflegekräften oder sonstigen Mitarbeitern in Heimeinrichtungen Vermögensvorteile zu gewähren. 

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