Jetzt nehmen oder aufsparen?

Urlaubsanspruch

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Normalerweise ist die Urlaubszeit die schönste Zeit im Jahr. Doch in der Corona-Pandemie, wo Reisen fast nicht möglich sind, möchten viele Arbeitnehmer/innen ihren Urlaub für bessere Zeiten oder für die Kinderbetreuung aufsparen. Arbeitgeber hingegen haben ein besonderes Interesse daran, dass ihre Mitarbeitenden den Urlaub wie geplant nehmen, damit nicht zu viele gleichzeitig fehlen, wenn wieder gelockert wird. Was aber gilt arbeitsrechtlich?

Urlaub dient der Erholung

Arbeitnehmer müssen ihren gesetzlichen Urlaub im laufenden Kalenderjahr nehmen. So schreibt es das Bundesurlaubsgesetz in § 7 vor. Denn schließlich sollen sie sich während des Jahres erholen und sich für die Arbeit wieder stärken. Auch die Pandemie ändert daran nichts. Der nicht genommene Urlaub verfällt jedoch nicht mehr automatisch zum Jahresende. Arbeitgeber sind in der Pflicht. Sie müssen ihre Beschäftigten klar und deutlich auf den drohenden Urlaubsverfall hinweisen und sie in die Lage versetzen, ihren Urlaub auch tatsächlich zu nehmen. Ausnahmen bestehen, wenn dringende betriebliche Gründe (z. B. Saisonbetriebe, Inventurarbeiten) oder personenbedingte Gründe (Krankheit) vorliegen. Spätestens am 31. März des Folgejahres verfällt nicht genommener Urlaub, soweit der Arbeitnehmer nicht aufgrund andauernder Erkrankung an der Urlaubsnahme gehindert war.

Genehmigten Urlaub verschieben?

Wenn der Urlaub einmal gewährt ist, dann kann der Arbeitnehmer nicht allein entscheiden, den Urlaub doch nicht anzutreten. Auch ein plötzliches Reiseverbot ändert daran nichts, denn schließlich soll sich der Arbeitnehmer in seinem Urlaub von der Arbeit erholen. Das kann er auch, selbst wenn Reisen nicht möglich sind. Urlaub kann nur zurückgezogen werden, wenn auch der Arbeitgeber damit einverstanden ist. In diesem Fall müssen Arbeitgeber die Vorschriften des Gleichbehandlungsgesetzes beachten und ihre Mitarbeiter gleichbehandeln.

Wie ist der Urlaub zu gewähren?

Der Urlaub ist zusammenhängend zu gewähren. Ist dies aus betrieblichen Gründen nicht möglich, so muss der Urlaub mindestens einmal im Jahr zwei Wochen am Stück umfassen. Dabei sind die zeitlichen Wünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen. Von dieser Regel dürfen Sie aus dringenden betrieblichen Gründen abweichen, etwa bei Personalengpässen oder Betriebsferien, wobei letztere drei Fünftel des Urlausanspruchs umfassen dürfen. Aus sozialen Gründen können die Urlaubswünsche eines anderen Arbeitnehmers Vorrang haben, wenn dieser z. B. schulpflichtige Kinder hat. Schließlich können in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe gegen eine zusammenhängende Urlaubszeit sprechen.

Urlaub bei Kurzarbeit

Da bei Kurzarbeit zum Teil oder komplett keine Arbeitspflicht besteht, kann der Urlaubsanspruch proportional um diese Zeiten gekürzt werden. Beispiel: der Arbeitnehmer hat 30 Tage Urlaub im Jahr. Bei Kurzarbeit „Null“ für vier Monate verringert sich sein Urlaub um ein Drittel auf 20 Tage.

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