Corona-Krise nutzen

Kostendruck nimmt zu

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Die Corona-Krise ist die Gelegenheit, Strukturen, Prozesse und Kosten zu optimieren. In den Konzernen passiert das bereits. Die DAX-Unternehmen haben 2020 über 40.000 Stellen abgebaut. 2021 dürfte sich die Zahl verdoppeln. Davon streicht allein Lufthansa 29.000 Jobs. Der Umbau der Wirtschaft schreitet voran. Beim Mittelstand ist man noch vorsichtiger, da Fachkräfte im Aufschwung noch gebraucht werden. Auch ist dort das Verantwortungsbewusstsein größer.

Kostendruck steigt überall

  • Vor allem Einzelhändler und Dienstleister aus den Kontaktbranchen leiden noch immer unter den Lockdowns. Sie leben im Moment von öffentlichen Fördermitteln in Milliardenhöhe und angesparten Eigenkapitalreserven. Viele Betriebe werden auch nicht mehr öffnen. Wer noch Puste hat, kommt um Kostensenkungen nicht herum, zumal die notwendige Digitalisierung noch zusätzlich Geld verschlingt.
  • Aber auch in Industriezweigen wie der Automobilzulieferindustrie gibt es Umbrüche. Der politisch gewollte Schwenk hin zur Elektromobilität zwingt viele Mittelständler zu Strategiewechseln und Kostensenkungen. So ist Mahle, hinter Bosch, Continental und ZF der viertgrößte Automobilzulieferer, schon heftig ins Trudeln geraten. Der Umsatz ist von 12,8 Mrd. Euro (2017) auf 9,8 Mrd. Euro (2020) gesunken. 2020 betrug der Verlust des Kolbenherstellers 434 Mrd. Euro.
  • Industrie und Handel sind auch durch die nach wie vor gestörten Lieferketten zur Kostensenkung gezwungen. Die global eingespielten Beschaffungsprozesse sind gestört. Containerpreise steigen. Lieferzeiten verlängern sich. Hersteller sollen wohl nach Ansicht der Politik wieder stärker in ihren Heimatregionen produzieren und die extremen Just-in-Time-Konzepte ohne Pufferläger aufgeben. Joe Bidens Slogan „Buy American“ weist für Amerika schon mal die Richtung. Die Regionalisierung zulasten der Globalisierung wird zwangsläufig die Kosten erhöhen, die dann wiederum zu kompensieren sind.
  • Druck wird aktuell auch durch die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise aufgebaut. In den vergangenen 12 Monaten ist der Preis z. B. für Holz um über 300 % gestiegen. Bauunternehmen klagen bereits über Lieferschwierigkeiten auch für andere Baustoffe. Der Preis für Kupfer ist um über 70 % gestiegen. Auch Öl, Gas und Lebensmittel wie Mais, Zucker, Weizen und Kaffee werden teurer. Bei Kunststoffen gibt es eine Preisexplosion, weil Fabriken reihenweise ausfallen. Polyethylen, Grundstoff z. B. für Folien aller Art, ist am Markt kaum noch zu bekommen. Wer die Preise bei Rohstoffen und Materialien nicht an Kunden weitergeben kann, ist zu drastischen Kostensenkungen gezwungen.
  • Selbst wenn Sie aktuell nicht in Existenznot sind, sollten Sie Ihre Kosten senken. Freiwerdende Mittel können Sie dann für notwendige Investitionen in neue Geschäftsmodelle und die digitale Zukunft verwenden.

Die Kostenklassiker

  • Wenn es schnell gehen muss: Kündigen Sie alle überflüssigen Verträge. Setzen Sie den berühmten Rotstift an. Wenn Kündigungen nicht möglich sind, dann verhandeln Sie nach. Bei Gewerbemietverträgen ist das durch Corona jetzt möglich. Der Gesetzgeber hat am 22.12.2020 im Schnellverfahren beschlossen, dass behördlich angeordnete Ladenschließungen eine Störung der Geschäftsgrundlage darstellen und damit eine Anpassung bei Mietverträgen begründen können.
  • Im Einkauf liegt der Gewinn: Diese alte Kaufmannsweisheit gilt nach wie vor. Jeder in der Beschaffung eingesparte Euro erhöht den Gewinn um 100 Prozent. Substituieren Sie daher teure durch preiswertere Materialien und Einsatzstoffe. Bündeln Sie Bestellungen, um Größenvorteile zu nutzen. Reduzieren Sie Verschwendung und Materialverluste.
  • Kostensenkungsprojekte: Reduzieren Sie Komplexität bei ihren Produkten und Zielgruppen. Zu viele Varianten, Teile und Sonderlösungen treiben die Kosten. Verschlanken Sie Ihre Geschäftsprozesse auch durch digitale Technologien. Lagern Sie Aufgaben an externe Dienstleister aus. Führen Sie interne Verrechnungspreise nach dem Marktprinzip ein.

Lieferengpässe und daraus folgende Preisexplosionen bei Rohstoffen und Materialien werden sich kurz über lang auf die Konsumentenpreise auswirken. Die Gefahr einer Inflation ist nicht von der Hand zu weisen.

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