Niedrige Zinsen belasten Bilanzen

Pensionsrückstellungen

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Viele (Gesellschafter)-Geschäftsführer haben von Ihren Unternehmen zur Altersversorgung eine Pensionszusage erhalten. Dafür müssen in der Handelsbilanz nach den Prinzipien der Kapitalwertmethode ausreichende Rückstellungen gebildet werden. In der nun schon seit Jahren anhaltenden Niedrig- und Nullzinsphase können diese gut gemeinten Versorgungsleistungen allerdings zu einer Belastung der Unternehmen werden. Höchste Vorsicht ist daher geboten.

Zinsschmelze

Denn durch die sinkenden Kapitalmarktzinsen müssen Unternehmen mehr Rückstellungen bilden, um die Versorgungszusage zu erfüllen. Es gilt: Je niedriger die Zinsen, desto größer muss der Kapitalstock sein, um gleichbleibende Zahlungen zu gewährleisten. Zwar wurde das Problem von der Politik 2016 ein wenig entschärft, indem der Zeitraum für die Durchschnittsverzinsung von 7 auf 10 Jahre erweitert wurde. Allerdings wird damit das Problem der steigenden Pensionsrückstellungen nicht gelöst, sondern nur abgeschwächt. Hier die aktuellen Zinssätze für die Bewertung der Pensionsrückstellungen.

  • Stichtag 31.12.2018: 3,21 %
  • Stichtag 31.12.2019: 2,71 %
  • Stichtag 31.12.2020: 2,30 %

Eine Zinssenkung nur um einen Prozentpunkt führt zu einem notwendigen Anstieg der Pensionsrückstellungen um 15 bis 20 Prozent. Im Moment ist unklar, wohin sich die Zinssätze entwickeln. Angesichts der steigenden Inflation im Euroraum müsste die EZB eigentlich auch die Zinssätze erhöhen. Das würde aber zu Krisen der hoch verschuldeten EU-Staaten führen.

Auswirkungen

Pensionsrückstellungen sind Aufwand und mindern den steuerpflichtigen Gewinn der Unternehmen. Für Gesellschafter-Geschäftsführer profitabler Unternehmen sind Pensionszusagen daher grundsätzlich ein interessantes Steuersparmodell. Allerdings wirken sich die sinkenden Zinsen nicht auf die Steuerbilanz aus, denn dort gilt ein gesetzlich festgelegter Zins für die Bewertung der Pensionsrückstellungen. Der Anstiegt der Pensionslasten betrifft also nur die Handelsbilanzen, spart aber keine Steuern.

In der Corona-Krise hat es viele Unternehmen hart getroffen. Nicht wenige sind in die Verlustzone gerutscht. Die nun erhöhten Pensionsrückstellungen verschärfen die Situation noch, so dass die Gefahr einer Überschuldung drohen kann. Höhere Rückstellungen verschlechtern durch ihre Aufwandswirkung auf jeden Fall die Eigenkapitalquote und damit die Bonität und Kreditwürdigkeit des Unternehmens.

Die Geldwirkungen von Pensionsrückstellungen sind in der Ansparphase neutral. Zahlungsabflüsse erfolgen erst, wenn der Pensionsfall eintritt. Wurde die Pensionsrückstellungen dann zu hoch bemessen, ist der überschießende Teil gewinnerhöhend aufzulösen. Wenn Unternehmen zur Risikoabdeckung z. B. Kapitallebensversicherungen zugunsten des Pensionsberechtigten gebildet werden, sind laufende Pensionsrückstellungen mit entsprechenden Kapitalabflüssen auch in der Ansparphase verbunden.

Nachfolgeprobleme

Die Versorgungszusagen, die zumeist den beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführer begünstigen und ihm eine verlässliche Altersversorgung sichern sollen, können aber auch bei der Unternehmensübergabe problematisch sein. Sie stellen für potenzielle Nachfolger und Käufer des Unternehmens ein kaum kalkulierbares Risiko dar. Käufer werden aufgrund des Risikos daher den Kaufpreis deutlich drücken oder schlimmstenfalls ganz auf den Unternehmenskauf verzichten.

Findet sich kein Nachfolger/Käufer, kann die Gesellschaft nicht einfach liquidiert werden, sofern noch Pensionszusagen zu erfüllen sind. Die Erfüllung erlischt erst mit dem Tod des Begünstigten. Bei einer Liquidation muss die Bilanz von den Pensionszusagen befreit werden.  

Auswege

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, das Thema Pensionsverpflichtungen zu lösen. So kann z. B. eine lebenslange Rente in eine Einmalzahlung umgewandelt werden. Auch eine Reduzierung der Versorgungszusage ist möglich bzw. eine weitere Steigerung kann verhindert werden. Ebenso eine „Bilanzbefreiung“ durch Auslagerung auf einen externen Versorgungsträger (Pensionsfonds).  

Aber Vorsicht! Das Thema ist sehr komplex. Alle Handlungsoptionen sollten im Vorfeld genau geprüft werden, um die steuerlichen Auswirkungen und die Liquiditätseffekte zu berechnen.

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