Der Mittelstand wird unruhig

Erzeugerpreise auf Rekordniveau

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Die Erzeugerpreise in Deutschland sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Oktober 2021 um über 18 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Das ist der höchste Anstieg seit November 1951. Gleichzeitig sinkt der ifo-Geschäftsklimaindex erneut. Der Mittelstand wird offenbar immer nervöser.

Neue Studie der DZ Bank

Nach einer aktuellen Umfrage der DZ Bank unter 1.000 Unternehmern bleibt die Lage im Mittelstand ambivalent. Die Auftragslage liegt bei 40 Prozent der Befragten wieder über dem Vorkrisenniveau. Allerdings müssen 28 Prozent neue Aufträge ablehnen, weil Rohstoffe und Materialien nach wie vor fehlen oder gestiegene Einkaufspreise bei derzeit durchsetzbaren Marktpreisen zu Verlusten führen würden. Bei 65 Prozent der Studienteilnehmer können Aufträge nur mit Zeitverzögerung durchgeführt werden.

Beispiel Simba Dickie

Um diese allgemeinen und abstrakten Zahlen ein wenig konkreter darzustellen, eignen sich Einzelfälle am besten. Simba Dickie aus Fürth ist ein gutes Praxisbeispiel. In einem Interview mit dem Handelsblatt berichtete CEO Florian Sieber über die aktuelle Situation aus seiner Branche. Der Hersteller von Spielgeräten wie das legendäre Bobbycar hat einen Umsatz von knapp über 700 Mio. Euro.

  • Situation: Simba Dickie hat auf die Lieferengpässe frühzeitig reagiert und alle Materialläger so weit wie möglich aufgestockt. Gleichwohl ist der Preis für das Hauptmaterial „Kunststoff“ um 40 bis 60 Prozent gestiegen. Hinzu kommen erhöhte Transportkosten und Energiepreissteigerungen von bis zu 50 Prozent. Diese Faktoren gehen 2021 noch zu Lasten der Gewinnmarge, da die Handelspartner kaum Bereitschaft zeigen, die festen Lieferverträge an die aktuelle Preisentwicklung anzupassen. Wenn nicht zu den fest vereinbarten Konditionen geliefert wird, drohen sogar Strafzahlungen.
  • Prognose: Florian Sieber rechnet für 2022 mit Preiserhöhungen bei den Endprodukten von rund 10 Prozent, wenn dann nachteilige Lieferverträge auslaufen und Lagerbestände abgebaut sind. Die Frage wird dann sein, ob Endkunden bereit sind, die höheren Preise zu akzeptieren. Falls ja, und das auch für andere Branchen gilt, wird die Inflationsrate steigen.
  • Strategie: Simba Dickie prüft derzeit auch eine weitere Verlagerung der Produktion von Asien nach Europa. Aufgrund der niedrigen Energiepreise durch Atomstrom gilt Frankreich als möglicher Standort. Insgesamt aber dürfte die Produktionsverlagerung trotz geringerer Transportkosten zu höheren Verbraucherpreisen führen. Dieses Risiko ist aber tolerabel, weil durch eine Re-Regionalisierung die Lieferfähigkeit sicherer wird.

Volatile Märkte

In vielen Branchen sind aktuell die Lieferketten massiv gestört. Die fein austarierten Rädchen greifen nicht mehr ineinander. Die Märkte sind volatil. Ein Beispiel ist der Markt für Industrieholz. Im ersten Halbjahr ist Preis für Bauholz von normalen 400 Euro pro Kubikmeter auf bis zu 1.200 Euro gestiegen. Die Unternehmen auch aus China und den USA haben den Markt leer gekauft. In der Zwischenzeit ist der Preis jedoch wieder auf rund 500 Euro gesunken. Holz ist wieder verfügbar. Alle, die ihre Läger im Sommer mit teurem Holz vollgepackt haben, sitzen nun auf Buchverlusten.

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