Erfinden oder kopieren?

Copycats

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Digitale Innovationen sind im deutschen Mittelstand notwendiger denn je. Im Endkundengeschäft liegen die amerikanischen Tech-Giganten vorne. Chancen haben deutsche Unternehmen aber noch im industriellen Internet. Doch auch hier holt China auf. China geht häufig den Weg der Kopie. Die ist – sanft angewandt – durchaus legitim. Im Internet heißen Kopien Copycats. Reich geworden sind damit z. B. die Samwer Brüder. Sie haben US-Startups kopiert und in anderen Ländern schneller umgesetzt als das Original. Beispiel ist Zalando (Original: Zappos).

Vorbilder und Vorteile

Innovationen entstehen selten im luftleeren Raum. Es gibt häufig Vorbilder, die als Inspiration dienen. Eine Nachahmung ist grundsätzlich legitim. Schon Picasso sagte: „Gute Künstler kopieren, großartige Künstler stehlen." Das Thema Nachahmung hat zwei Facetten: Für Nachahmer stellt sich die Frage, was erlaubt ist. Für Innovatoren stellt sich die Frage, wie ich mich schützen kann.

Nicht immer ist der Innovator und First Mover im Vorteil. Nachahmer können risikoloser agieren. Sie warten ab, bis der Markt getestet ist und Fehler des Innovators vermieden werden können. Auch ist die Nachahmung kostengünstiger.

Rechtliche Situation

Nachahmungen gibt es nicht nur im Internet, sondern auch im realen Leben. So hat z. B. die Burger-Kette Hans im Glück lange gegen den Nachahmer Peter Pane prozessiert, weil sich die Inneneinrichtungen ähnelten. Es ist zu einem Vergleich, aber nicht zu einem Verbot gekommen. Denn in Deutschland gibt es keinen Konzeptschutz wie in den USA. Die Gedanken sind frei. Ideen sind in ihrer Allgemeinheit nicht zu schützen. Schützen können Sie Domains, Marken und Patente. Ziehen Sie dafür auch einen Experten für den gewerblichen Rechtsschutz hinzu, vor allem dann, wenn es um einen internationalen Schutz geht.

Selbst kriminelle Fälle sind im internationalen Umfeld nur schwer abzustellen. So wurde z. B. der Online-Shop ludwig-therese.de, Anbieter von Trachtenkleidung, vor zwei Jahren unter der nicht gesicherten .net-Domain von Chinesen dreist kopiert.

Gute Kopien

Bei Kopien sollte man cleverer vorgehen. Originalvorlagen können durchaus als Basisidee dienen. Sie sollten dann aber durch eigene Ideen abgewandelt werden. Rund um den Innovator Airbnb haben sich z. B. viele neue Plattformen gebildet, die nicht Airbnb als Ganzes kopieren, sondern nur das Grundprinzip, Ihre Leistungen aber dann auf Nischen beschränken.

Fazit

Halten Sie die Augen auf nach guten Vorbildern. Aber schauen Sie auch nach dreisten Nachahmern. Bauen Sie dafür eine Art Scouting-System, auch unter Einbeziehung Ihrer Mitarbeiter und Vertriebspartner auf. Informieren Sie sich regelmäßig z. B. über Google Alerts, Trend-Portale, Zeitschriften und Messebesuche. So schützen und verteidigen Sie Ihr geistiges Eigentum vor dem Ideenklau. 

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