Es will schon was heißen, wenn Deutschlands Star-Ökonom und früherer ifo-Präsident Prof. Dr. Hans-Werner Sinn im April und nochmals im Juni 2025 im ZDF-Talk bei Markus Lanz war und dort vor den hohen US-Schulden gewarnt hat.
Staatsschulden (Regierung)
Die Gesamtschulden der US-Regierung (Bund = Federal Debt) betragen im Juni 2025 knapp 37 Billionen US-Dollar. Das entspricht etwa 125 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die US-Staatsschulden haben sich allein in den letzten 10 Jahren verdoppelt. Die Schulden der Bundesstaaten und Kommunen sind in dieser Zahl nicht enthalten. Sie betragen zusätzlich etwa 7,7 Billionen US-Dollar.
Zur Erinnerung: Eine Billion ist eine Zahl mit 12 Nullen und sieht ausgeschrieben so aus: 1.000.000.000.000. Zum Vergleich: Wäre ein US-Dollar eine Sekunde, dann würde man bei 1 Milliarde Sekunden rückwärtsgerechnet im Jahr 1993 landen, bei 1 Billion schon im Jahr 32.000 B.C. Eine unvorstellbare Zahl. Niemand rechnet daher ernsthaft damit, dass der Betrag jemals zurückgezahlt werden kann. Zu groß sind allein die Zinslasten, die durch ZInseszinseffekte exponentiell steigen werden.
Denn die US-Regierung wird nach der offiziellen Projektion der Congressional Budget Office (CBO) im Jahr 2025 voraussichtlich rund 952 Mrd. US-Dollar an Zinsen zahlen. Die Zinszahlungen machen damit rund 18,4 Prozent der Bundessteuereinnahmen aus. Sie übertreffen erstmals die US-Rüstungsausgaben. Bis 2035 könnten die jährlichen Zinsausgaben nach Expertenschätzungen auf 1,8 Billionen US-Dollar steigen.
Private Verschuldung
Aber auch die Schulden der US-Haushalte erklimmen neue Höchststände. Sie liegen aktuell bei 18,2 Billionen US-Dollar, davon 12,8 Billionen USD für Hypothekenkredite, 1,6 Billionen USD für Autokredite, 1,6 Billionen USD für Studentenkredite und 1,2 Billionen USD für Kreditkartenschulden. Aufwärts geht es auch mit den Unternehmensschulden. Sie liegen bei nichtfinanziellen Unternehmen bei 21,8 Billionen US-Dollar.
Spitze des Eisbergs
Die Gesamtschulden in den USA belaufen sich damit auf rund 77 Billionen USD. Das sind 24 Prozent der rund 320 Billionen weltweiten Gesamtschulden. Die genannten Zahlen geben allerdings nur die offiziellen Schulden wieder. Hinzurechnen muss man noch die nicht ausgewiesenen Verbindlichkeiten der Regierungen gegenüber Pensionären und sozialen Sicherungssystemen. Schätzungen gehen dabei von einer notwendigen Multiplikation der offiziellen Schulden mit einem Faktor von 3-5 aus.
EU und Deutschland
In den EU-Ländern Frankreich, Italien, Portugal und Griechenland sieht die Lage ähnlich aus. Deutschland steht zwar mit rund 2,5 Billionen Euro offiziellen Staatsschulden und einer Schuldenquote um die 70 Prozent vom BIP noch vergleichsweise gut dar. Doch unter Einbeziehung der impliziten Schulden für Renten- und Pensionsverpflichtungen (10-15 Billionen Euro) sowie der neuen Schulden nach dem Fall der Schuldenbremse sieht die Sache schon wesentlich schlechter aus.
Diese Entwicklungen sind außergewöhnlich. Sie sollten sie daher im Blick behalten, auch um sie in ihre betrieblichen Strategien und Geldanlageentscheidungen „einzupreisen“.
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