Es gibt Situationen, in denen Trennungen unvermeidlich sind – etwa bei schweren Pflichtverletzungen, dauerhaft unzureichender Leistung oder betriebsbedingten Restrukturierungen. Zu einer guten Mitarbeiterführung gehört aber eine stilvolle Trennung, auch um das Arbeitgeberimage nicht zu schädigen und Schuldgefühle, Trauer und Unsicherheit bei den verbleibenden Mitarbeitern zu vermeiden (Surviver Guilt).
Eine Trennung mit Stil lässt sich daher als Gesamtkonzept verstehen, das drei Ziele verbindet: rechtssichere Umsetzung, respektvolle Behandlung der Betroffenen und Stabilisierung von Kultur und Leistung bei den Verbleibenden.
Entscheidung und Planung
- Klare Kriterien: Die Unternehmensleitung legt zunächst nachvollziehbare, diskriminierungsfreie Kriterien fest (z. B. Zukunftsrelevanz von Rollen, Kompetenzen, Performance), um Willkür‑Eindrücke und spätere Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden.
- Strategischer Rahmen: Es wird geklärt, in welchen Bereichen, in welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt Personalmaßnahmen erforderlich sind und wie sie in die Gesamtstrategie eingebettet sind.
- Beteiligung und Alternativen: Gemeinsam mit Führungskräften und – wo vorhanden – Betriebsrat werden Alternativen sowie sozialverträgliche Instrumente geprüft, bevor konkrete Personen benannt werden.
- Eine strukturierte Projektplanung des gesamten Trennungs‑ und Offboarding‑Prozesses (Meilensteine, Kommunikation, Verantwortlichkeiten) gilt heute als Best Practice. Sie reduziert operative Hektik, erhöht die wahrgenommene Fairness und schützt Kultur und Marke.
Vorbereitung
- Schulung der Führungskräfte: Führungskräfte werden gezielt darauf vorbereitet, Kündigungs‑ und Veränderungsgespräche klar, wertschätzend und konsistent zu führen, inklusive Umgang mit Emotionen und typischen Fragen.
- Kommunikationsdesign: Es wird ein kohärenter Kommunikationsplan entwickelt (Kernbotschaften, Reihenfolge von Gesamt‑, Team‑ und Einzelkommunikation, Q&A‑Dokumente), um Gerüchte und Unsicherheit zu begrenzen.
- Offboarding-Struktur: Die Geschäftsführung oder Personalverantwortlichen definieren standardisierte Offboarding‑Prozesse (Checklisten, Zugriffsentzug, Wissenstransfer, Abschlussgespräche), die gleichzeitig rechtliche Anforderungen und den Anspruch an respektvolle Behandlung abdecken.
Trennungsgespräche
- Klarheit und Respekt: Kündigungsgespräche werden persönlich, zeitnah und ohne Umschweife geführt; die Entscheidung wird klar begründet, ohne dem Betroffenen unnötig Schuld zuzuweisen oder in Floskeln auszuweichen.
- Rollen und Setting: Im Vorfeld ist festgelegt, wer das Gespräch führt (typischerweise direkte Führungskraft, unterstützt durch den Personalbereich), wie lange es dauert, wo es stattfindet und welche Unterlagen und Angebote übergeben werden.
- Unterstützungsangebote: Es werden konkrete Unterstützungsleistungen benannt, etwa Outplacement‑Beratung, Coaching, Transfergesellschaften, Weiterbildungsangebote oder interne Karriere‑Services.
- Internationale Beispiele belegen, dass Unternehmen, die in diesen Gesprächen großzügige und gut kommunizierte Übergangspakete bieten, später signifikant geringere Klagequoten und stabilere Engagement‑Werte aufweisen.
Arbeit mit den Verbleibenden
- Stabilisierung der Teams: Nach Abschluss der Trennungsphase braucht es gezielte Kommunikation an die verbleibenden Mitarbeiter, die Hintergründe erklärt, Perspektiven aufzeigt und Raum für Fragen und Emotionen bietet.
- Kultur und Vertrauen: Führungskräfte adressieren „Survivor Guilt“, Überlastungsrisiken und Vertrauensthemen aktiv, etwa durch Teamgespräche, Beteiligung an der Neugestaltung von Aufgaben und gezielte Entwicklungsangebote.
- Reflexion des Prozesses: Die Organisation bewertet den gesamten Trennungs‑ und Offboarding‑Prozess systematisch (Lessons Learned), um Kriterien, Kommunikation und Unterstützungsinstrumente für zukünftige Fälle weiterzuentwickeln.
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