Der neue Allianz Risk Barometer 2026 zeigt eine Unternehmenswelt, in der Cyberrisiken und Künstliche Intelligenz (KI) die Agenda dominieren. Cyber bleibt aus Sicht von von 3.338 Risikomanagement‑Experten weltweit das Top‑Risiko, während KI als neuer „Big Mover“ von Rang 10 auf Rang 2 springt und damit schlagartig in den Mittelpunkt des Risikodiskurses rückt. Andere Risiken wie Betriebsunterbrechungen und Naturkatastrophen rutschen dagegen im Ranking ab.
Cyber-Risiken
Cyber-Vorfälle – insbesondere Ransomware, Datenpannen und IT‑Systemausfälle – bleiben in allen Regionen und Unternehmensgrößen das dominierende Risiko. Die wachsende Abhängigkeit von digitalen Plattformen, Cloud‑Services und Drittanbietern vergrößert dabei die Angriffsfläche signifikant. Dabei geraten zunehmend kleine und mittelgroße Unternehmen ins Visier professioneller Angreifer. Gleichzeitig verschärfen geopolitische Spannungen und ein dichter werdendes Regulierungsumfeld (z.B. Meldepflichten, Datenschutz, kritische Infrastrukturen) die Lage zusätzlich.
KI auf Platz 2
Künstliche Intelligenz (KI) steigt 2026 global auf Rang 2 (32 Prozent) und ist damit der stärkste Aufsteiger. In Amerika, Asien‑Pazifik sowie Afrika/Naher Osten liegt das KI-Risiko auf Platz 2, in Europa auf Platz 3. Unternehmen sehen KI als Quelle operativer und rechtlicher Risiken sowie von Vertrauens- und Reputationsschäden. Bei knapp der Hälfte der Befragten überwiegt der Nutzen von KI, Bei immerhin rund einem Fünftel überwiegen die Risiken.
Weitere Risiken
Das Risiko „Betriebsunterbrechung „fällt erstmals aus den Top 2 und landet 2026 auf Rang 3, bleibt aber ein Kernrisiko, das häufig als Folge anderer Gefahren wie Cyber, KI‑Fehlfunktionen oder politischer Ereignisse auftritt. Naturkatastrophen rutschen angesichts relativ niedrigerer Schäden 2025 im Ranking zurück auf Platz 5. Die anderen Plätze sind: makroökonomische Entwicklungen (6), politische Risiken und Gewalt (7), Arbeitskräftemangel (8), Feuer, Explosion (9) und Marktentwicklungen (10).
Risikomanagement
Mittelständische Unternehmen sollten die Top‑Risiken vor allem über präventives und organisatorisches Risikomanagement adressieren, nicht nur über Policen. Wichtig sind dabei Struktur, Priorisierung und die konsequente Umsetzung der Maßnahmen im Alltag. Für ein typisches mittelständisches Unternehmen könnte die To‑do‑Liste so aussehen:
- Verantwortlichen für Risikomanagement ernennen (ggf. als Zusatzrolle) und jährliche Risiko-Workshops einführen.
- Ein kompaktes Risikoregister mit Top‑Risiken, Eintrittswahrscheinlichkeiten, Auswirkungen und Maßnahmen pflegen (mit regelmäßigen Updates).
- Einen Notfallplan mit Handbuch, Kontaktlisten und klaren Entscheidungswegen erstellen.
- Ein Mindestsicherheitsniveau in der IT umsetzen. Dazu gehört eine Backup-Strategie nach dem 3-2-1-0-Prinzip mit regelmäßigen Tests.
- Jährliche Phishing-Simulationen und Cyber-Schulungen für alle Mitarbeiter durchführen.
- KI‑Richtlinie definieren: erlaubte Tools, Umgang mit sensiblen Daten, Freigabeprozesse und menschliche Letztentscheidung.
- Kritische Lieferanten klassifizieren und für die Top‑10 Alternativlieferanten bzw. Zweitquellen aufbauen.
- Notfallprozesse dokumentieren, um bei einem IT‑Ausfall oder Lieferstörungen eingeschränkt weiterarbeiten zu können.
- Schlüsselpositionen identifizieren und Vertretungsregeln schaffen.
- Elementarrisiken für einzelne Standorte prüfen (Gefahrenkarten, Versicherer/Behörden) und einfache bauliche Schutzmaßnahmen einrichten.
- Politische/regionale Risiken der wichtigsten Märkte bewerten und Alternativmärkte bzw. ‑routen vorbereiten.
- Regelmäßiges Risiko-Monitoring mit jährlichem Risikobericht für die Geschäftsführung/Eigentümer erstellen, um Prioritäten und Budgetentscheidungen zu steuern.
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