21.03.2026

Präventive Restrukturierung

Handeln, bevor es zu spät ist

iStock, orodenkoff

Der Iran-Konflikt könnte der berühmte Tropfen sein, der das ökonomische Fass zum Überlaufen bringt. Die andauernde Schließung der Straße von Hormuz sendet zunehmende Schockwellen in die Weltwirtschaft. Daher ist es gut, sich darauf strategisch vorzubereiten. Wenn Sie bereits Probleme haben, dann ist eine präventive Restrukturierung zu empfehlen.

Aktuelle Lage im Mittelstand

2025 mussten in Deutschland über 24.000 Unternehmen Insolvenz anmelden, Tendenz weiter steigend. Mittelständische Betriebe – insbesondere im verarbeitenden Gewerbe, Metall, Automotive-Zulieferung und Elektrotechnik – verzeichnen seit Jahren deutlich erhöhte Insolvenzrisiken. Parallel fahren viele Unternehmen ihre Investitionen zurück und stärken lieber ihre Eigenkapitalbasis. So stieg die durchschnittliche Eigenkapitalquote mittelständischer Firmenkunden einer Großbank auf rund 31 Prozent. Diese Defensive verbessert zwar die Bonität, birgt aber das Risiko, den strukturellen Wandel vor allem bei der Künstlichen Intelligenz zu verschlafen.

Rechtlicher Rahmen (StaRUG)

Mit dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) steht Unternehmen seit dem 1. Januar 2021 ein präventiver Restrukturierungsrahmen zur Verfügung. Ziel ist, eine drohende Krise früh zu stabilisieren und zu sanieren, bevor Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung eintreten. Voraussetzung ist, dass das Unternehmen noch zahlungsfähig ist, aber eine drohende Zahlungsunfähigkeit absehbar wird. Dann können im Rahmen eines Restrukturierungsplans Gläubiger mehrheitlich zu Beiträgen verpflichtet werden. Das StaRUG schließt damit die Lücke zwischen reiner ein außergerichtlichen Verhandlung und dem klassischen Insolvenzverfahren. Es erlaubt, mit ausgewählten Gläubigergruppen zu arbeiten und gerichtliche „Schutzschirme“ gegen Vollstreckungsmaßnahmen zu nutzen.

Analyse

Der erste Schritt ist radikale Ehrlichkeit gegenüber der eigenen Lage. Viele Unternehmer/innen reagieren auf Stress mit Nachschüssen aus dem Privatvermögen, ohne ihr Geschäftsmodell, die Kostenstruktur oder die Finanzierung wirklich zu verändern. Damit verschiebt man das Problem nur in die Zukunft. Führen Sie daher rechtzeitig mit einem interdisziplinären Team eine strukturierte Risiko‑, Chancen‑, Stärken‑ und Schwächenanalyse durch und denken Sie Ihre Branche mit Szenarien und Wahrscheinlichkeiten mindestens drei bis fünf Jahre voraus.

Liquidität

In der Krise entscheidet Liquidität über Zeit und Handlungsspielraum. Bauen Sie gezielt Liquiditätspuffer durch Eigen‑ und Fremdkapital auf. Optimieren Sie auch Ihr Forderungsmanagement, und reduzieren Sie gebundenes Kapital in Anlage‑ und Umlaufvermögen. Prüfen Sie konsequent den Verkauf nicht betriebsnotwendiger Assets, senken Sie Gemein‑ und Fixkosten, und flexibilisieren Sie, was ausgelagert werden kann.

Geschäftsmodell

Die eigentliche Ursache von Krisen liegt oft auf der Umsatz‑ und Marktseite. Wenn Produkte, Services oder Vertriebskanäle nicht mehr wettbewerbsfähig sind, helfen reine Kostenschnitte nur kurzfristig. Arbeiten Sie mit Strategie‑ und Digitalisierungsexperten an neuen Geschäftsmodellen, etwa durch Service‑Erweiterungen, Plattformansätze oder Zukäufe von Startups, wie das Beispiel Hornbach mit dem Einstieg in das Segment altersgerechte Bäder zeigt. Verknüpfen Sie diese strategische Weiterentwicklung frühzeitig mit einem belastbaren Restrukturierungsplan – dann wird präventive Restrukturierung vom Krisenfeuerlöschen zu einem aktiven Instrument der Zukunftssicherung.

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