03.08.2018

Vom Kumpel zum Leader

Führungstabus

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Viele, vor allem jüngere Führungskräfte nach einer Beförderung sind verunsichert über die eigene Rolle und die Erwartungen ihrer Mitarbeiter. Was für ein Chef soll ich sein? Offizier ist aus der Mode gekommen, aber dann vielleicht ermöglichen? Oder lieber Coach, Kümmerer, Mediator, Therapeut? Manche wählen dann den Kumpel: sie sind nett und agieren auf Augenhöhe, damit sie von allen gemocht werden und Harmonie herrscht. Doch Achtung: Diese Rolle passt nicht, wenn Sie Verantwortung dafür übernehmen müssen, dass Ihr Team die Zielvorgaben erreicht. Ein Rückblick in die Steinzeit hilft der Klärung.

Führung im Neandertal

Stellen Sie Ihr Führungswissen mal kurz auf Null und versetzen Sie sich in die Steinzeit. Wie ist der Führungsanspruch im Neandertal entstanden und wie wurde er erhalten? Von Kumpel keine Spur:

  • Weitgehende Übereinstimmung mit den Gruppennormen, Repräsentanz nach außen. Anführer verkörpern, was der Gruppe wichtig ist, und tragen es so erfolgreich nach außen.
  • Erwartungskonformes Führungsverhalten. Der Anführer findet das Gehör der Gruppe, weil er spürt und beeinflusst, was in der Gruppe als wichtig und richtig gilt. Die Gruppenmitglieder erwarten, dass er sich für die Position einsetzt, die allen nützt. Sie ringen um seine Aufmerksamkeit.
  • Fähigkeit zur Konfliktlösung. Ignoriert der Anführer Konflikte oder Gefahren, wird das als Angst interpretiert. Der Anführer soll Konflikte aktiv angehen und im Interesse des Ganzen lösen.
  • Sicherheit durch Dominanz. Angst dominiert Menschen. Wer Angst nimmt, darf Menschen dominieren. Der Anführer gibt Sicherheit durch Konsistenz und Konsequenz in der Entscheidung.
  • Überlegenes Wissen und Seniorität. Der Anführer zeichnet sich durch besonderes Wissen und Erfahrung aus.

Seien Sie aktiv, klar, klug und menschlich

  • Gehen Sie Konflikte aktiv an, die durch Fehlverhalten von Mitarbeitern entstehen. Dulden Sie niemals schweigend Verhaltensweisen, die die anderen zu Recht stören oder die Zielerreichung beeinträchtigen. Sprechen Sie die Störer an.
  • Sagen Sie klar und einfach Nein, wenn Ihnen das richtig erscheint. Verzögern oder vertagen Sie nicht, reden Sie nicht drumherum.
  • Loben Sie Leistung, auch vor anderen. Ihre Aufmerksamkeit und speziell Ihre Anerkennung durch Lob ist ein hohes Gut. Noch höher ist es, wenn es vor anderen gespendet wird. Das zeigt den Gruppenmitgliedern, wo Ihre Maßstäbe liegen, und spornt sie im Idealfall an.
  • Zeigen Sie negative Gefühle. Wenn Sie richtig sauer sind – wegen Schlechtleistung eines Mitarbeiters, wegen Fehlentscheidungen oder sonstigen misslungenen Dingen –, lassen Sie situative Emotionen ruhig mal heraus. Das entlastet Sie und ist menschlich. Werden Sie nur nicht (zu) persönlich!

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