15.01.2018

Branche im Umbruch

Einzelhandel entdeckt die Gastronomie

© ArtFamily

Vorgemacht hat es der Möbelriese IKEA, der schon immer seine Kunden mit Köttbullar, Kaffee und Kuchen bei Laune gehalten hat. Nun haben auch Einzelhändler die Gastronomie als Umsatzbringer entdeckt, um Kunden im digitalen Zeitalter wieder in die Geschäfte zu locken. Laut des Kölner EHI Retail Institutes erzielen Händler mit gastronomischen Angeboten jährlich knapp 9,3 Mrd. Euro Umsatz, Tendenz steigend.  

Die Verbindung von Gastronomie und Shopping schmeckt nicht nur der Kundschaft, sondern löst auch das Problem der unprofitablen Verkaufsflächen. Pop-up-Bistros, Imbisse oder Cafés bieten Kunden die Möglichkeit einer kleinen Verschnaufpause von der Einkaufstour. Bühnen für live Koch-Events fungieren als Inspirationsquelle für Neugierige, die alle benötigten Zutaten an der Theke nebenan finden. So umgarnt beispielsweise das KaDeWe in Berlin seine Kunden im Gourmettempel in der sechsten Etage mit unzähligen Delikatessenständen, wozu auch eine üppig bestückte Austernbar gehört. Aber auch in der niedrigen Preisklasse funktionieren Gastronomiekonzepte im Einzelhandel. So zieht Aldi mit einem Pop-up-Bistro durch Deutschland. In einem Ambiente, das an eine Mensa erinnert, können Kunden für wenig Geld warme und kalte Speisen verzehren. Vor den Haupteingängen der Hornbach-Baumärkte sind vielerorts Stände der Imbisskette „Grillbar“ aufgebaut, deren Grillspezialitäten von Sternkoch Mario Kotaska kreiert werden. Auch Boutiquen, Buchhandlungen und Gartencenter haben den Trend erkannt und bieten immer öfter eine Kaffeebar an, damit die Kunden zwischen den Einkäufen eine Pause einlegen können.  

Der Wandel im Einzelhandel ist unverkennbar. Die Kunden erledigen ihre Einkäufe immer öfter von zu Hause über das Internet. Der Online-Handel hat mittlerweile einen Marktanteil von 10 Prozent am gesamten Handelsumsatz erreicht. Gleichzeitig ist das Essen außer Haus immer beliebter. Laut Angaben der Marktbeobachtungsfirma npdgroup stiegen die Ausgaben in den ersten acht Monaten 2017 um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Und wer es schafft, seine Kunden mit gastronomischen Angeboten anzulocken, wird auch einen Teil der Kaufkraft ins eigene Geschäft leiten können.  

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