Externe Lösungen bevorzugt

Nachfolge in Familienunternehmen

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Die Corona-Krise hat gezeigt, wie plötzliche Geschehnisse den Erfolg des Unternehmens beeinflussen können. Einige hatten Glück und konnten in der Pandemie zulegen, andere hatten Pech und erlitten heftige Einbußen. Auch Krankheit und plötzlicher Tod können die Existenz eines Unternehmens gefährden. Die rechtzeitige Klärung der Nachfolge ist daher eine strategische Aufgabe für Unternehmer und Unternehmerinnen. Doch neue Studien zeigen, dass die Unternehmensnachfolge zukünftig schwieriger wird.

Fakten zur Unternehmensnachfolge

  • WHU-Studie: Die WHU Otto Beisheim School of Management hat im Frühjahr 2021 über 4.000 Unternehmer/innen befragt und die Antworten in einer Studie "Unternehmensnachfolge im Mittelstand" zusammengefasst. Erstaunliche 82 Prozent der Befragten planen eine Unternehmensübergabe in den nächsten zwei bis drei Jahren. Die wirtschaftlichen Corona-Folgen haben wohl einige aufgeschreckt. Für rund 55 Prozent ist die Weiterführung ihres Unternehmens wichtiger als ein hoher Verkaufspreis. Interessant ist, dass nur 12,1 Prozent eine familieninterne Lösung anstreben. Auch sinkt offenbar das Übergabealter. So sind knapp 50 Prozent der Übergabewilligen unter 50 Jahre.
  • KfW-Nachfolgemonitor: Die KfW weist in ihrer Studie auf ein weiteres Problem hin. Seit Jahren sinkt die Zahl der Übernahmegründungen auf mittlerweile nur noch knapp 70.000 pro Jahr. Noch vor 20 Jahren waren es rund 150.000. Auch hier verschärft Corona die Lage, da es zunehmend Finanzierungsprobleme gibt und der Wunsch nach Unternehmertum zurückgeht. Wenn die Zahl der Nachfolgesuchenden dagegen aber steigt, werden die Verkaufspreise nicht mehr so üppig ausfallen.

Erfolgsfaktoren bei der Übergabe

Beginnen Sie frühzeitig mit der Nachfolgeplanung und der konkreten Umsetzung. Es sollte Ihr persönliches strategisches Projekt werden. Binden Sie auch erfahrene Steuerberater und Fachanwälte für Erbrecht ein und erarbeiten Sie gemeinsam Konstruktionen für die Unternehmensnachfolge. Bei einem Verkauf an Externe oder einem Management-Buy-In (MBI) bieten auch spezialisierte M&A-Berater und Kapitalbeteiligungsgesellschaften gute Dienste. Wenn Sie eine familieninterne Lösung präferieren, bieten sich zwei Modelle an.

  • Beim sogenannten Kronprinzenmodell wird nur eine Person aus dem Familienkreis Nachfolgerin oder Nachfolger. Beim Textilhersteller Trigema aus Baden-Württemberg zum Beispiel verfolgt der Inhaber Wolfgang Grupp dieses Prinzip. Er lässt seine beiden Kinder aktuell in führenden Positionen im Unternehmen in einer Art Wettbewerb arbeiten und entscheidet sich dann in nächster Zeit für die aus seiner Sicht beste Lösung. Die nicht zum Zuge kommenden Familienangehörigen werden dann finanziell anderweitig entschädigt.
  • Beim sogenannten Stammesprinzip werden dagegen alle relevanten Familienzweige sinnvoll eingebunden. Welches Nachfolgemodell passt, ist jedoch immer firmenspezifisch zu entscheiden und muss in den jeweiligen Gesellschaftsverträgen auch geregelt werden.

Es gibt auch viele Lösungen in den Zwischenbereichen. Auch Stiftungen können eine Wahl sein. Unabhängig vom Nachfolgemodell generell wichtig ist die rechtzeitige Einarbeitung der familieninternen Nachfolger, um Vertrauen bei Mitarbeitern und Stakeholdern aufzubauen.

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