Das Gastgewerbe in Deutschland hat im Mai 2026 nach vorläufigen, kalender- und saisonbereinigten Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes real 2,0 Prozent und nominal 2,1 Prozent weniger umgesetzt als im April 2026. Im Vorjahresvergleich zu Mai 2025 sank der Umsatz real um 6,0 Prozent, nominal jedoch nur um 0,3 Prozent. Der April war nach Revision mit real plus 0,5 Prozent und nominal plus 1,0 Prozent gegenüber März etwas positiver als zunächst gemeldet.
Nach Teilbranchen
- Hotels und sonstige Beherbergungsunternehmen verzeichneten gegenüber April real minus 0,9 Prozent und nominal minus 1,4 Prozent, im Jahresvergleich real minus 2,8 Prozent, nominal minus 1,0 Prozent.
- Die Gastronomie fiel deutlicher: gegenüber April real minus 1,9 Prozent, nominal minus 1,8 Prozent; gegenüber Mai 2025 real sogar minus 7,1 Prozent, während der nominale Umsatz um 0,7 Prozent stieg.
Bemerkenswert ist die Diskrepanz zu unbereinigten Rohdaten: Ohne Kalender- und Saisonbereinigung meldete Destatis für Mai gegenüber April ein reales Plus von 11,4 Prozent (nominal plus 11,7 %), da der saisonale Frühjahrseffekt die Werte anhebt. Erst die Bereinigung legt den eigentlichen Trend offen: einen Rückgang. Kumuliert über die ersten fünf Monate 2026 liegt der reale Branchenumsatz 5,6 Prozent unter Vorjahresniveau, nominal aber 1,4 Prozent darüber; Gaststätten (real -6,9 %), Gastronomie insgesamt (real -6,4 %) und Hotellerie (real -3,9 %) folgen diesem Muster.
Die Begründung
Die Schere zwischen nominalem und realem Umsatz ist der Schlüssel: Nominal steigt der Umsatz meist leicht, weil Betriebe Preiserhöhungen weitergeben, um gestiegene Personal-, Energie- und Wareneinsatzkosten zu kompensieren. Real, also mengenmäßig, sinkt der Konsum jedoch spürbar – Gäste bestellen weniger oder verzichten häufiger auf Restaurantbesuche. Das deutet auf anhaltende Konsumzurückhaltung privater Haushalte hin, die angesichts hoher Lebenshaltungskosten und verhaltener Reallohnentwicklung ihr Budget priorisieren.
Hinzu kommt strukturelle Kostenbelastung: Der seit 2024 wieder reguläre Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf Speisen verteuert Restaurantbesuche dauerhaft und dämpft die Nachfrage stärker als im Beherbergungsgewerbe, das weiter von einem ermäßigten Satz profitiert – das erklärt die schwächeren Zahlen der Gastronomie gegenüber Hotels. Fachkräftemangel, hohe Energiepreise und die schwache Gesamtkonjunktur verstärken den Margendruck zusätzlich.
Der Vergleich von bereinigten und unbereinigten Zahlen zeigt zudem, wie irreführend reine Monatsvergleiche ohne Saisonbereinigung sein können: Der scheinbare Sprung von April zu Mai ist saisonaltypisch und kein echter Aufschwung. Erst die bereinigte Betrachtung offenbart den Abwärtstrend, der die Branche laut Destatis auf ein Umsatzniveau nahe dem der Corona-Krisenjahre zurückwirft.


