Das Ende des Petrodollars?

Wie sich aktuell die globale Finanzarchitektur verändert

iStock, vadimrysev

Der Irankrieg hat einen Trend verstärkt. Der Petrodollar und damit die US-Dominanz werden zunehmend durch neue digitale, von SWIFT losgelöste Abrechnungssysteme wie myBridge verwässert. Dadurch verschiebt sich das Machtgefüge weiter nach Asien. Hier dazu eine kurze Erläuterung.

Bretton-Woods-Finanzsystem

Die USA hatten England nach dem 2. Weltkrieg endgültig als führende Weltmacht abgelöst. Das zeigte sich auch darin, dass der US-Dollar im Bretton-Woods-System seit 1944 die Rolle der Weltleitwährung übernommen hatte. Das System wackelte jedoch als immer mehr Länder ihre Dollars in Gold eintauschten, weil sie erkannten, dass die USA zur Kriegsfinanzierung (Korea, Vietnam) immer mehr Geld druckte und so den Dollar real immer weiter abwertete. Die damalige teilweise Goldbindung machte diesen Tausch möglich. Der einstmals große US-Goldschatz schmolz so dahin, bis der damalige US-Präsident Richard Nixon im August 1971 die Goldbindung des Dollars aufhob, um einen offensichtlichen US-Staatsbankrott auf Kosten der Verbündeten abzuwenden.

Petrodollar stabilisiert die Dollar-Dominanz

Um die Rolle des Dollars als Weltleitwährung aufrechtzuerhalten, wurde dann 1974 das Petrodollar-System erfunden und vor allem vom damaligen US-Außenminister Henry Kissinger und Präsidenten Nixon mit Saudi Arabien verhandelt.

Der Petrodollar beschreibt ein System, in dem Öl international überwiegend in US-Dollar gehandelt wird und die Erlöse der Ölexporteure häufig wieder in Dollar-Anlagen, vor allem US-Staatsanleihen, fließen. Als Gegenleistung garantierten die USA die Sicherheit des saudischen Königshauses, das seitdem in Saus und Braus lebt und ein gewaltiges Vermögen angehäuft hat.

Den USA, die noch in den 1950er Jahren die Fabrik der Welt waren und Handelbilanzüberschüsse erzielten, ermöglichte das System ein Leben auf Pump mit frisch gedrucktem Geld. Seitdem hat sich der US-Schuldenberg auf fast 40 Billionen US-Dollar aufgetürmt.

Warum das System heute erodiert

Doch nun mehren sich die Anzeichen, dass sich dieses System langsam dem Ende zuneigt. Immer weniger Investoren kaufen US-Staatsanleihen, weil der Dollar zunehmend als "wertloser grüner Zettel" angesehen wird, gegen den man seine werthaltigen Rohstoffe und Güter nicht mehr tauschen möchte. So hat Saudi Arabien Anfang 2026 das Petrodollar-Abkommen nicht mehr verlängert. Die Absetzbewegungen wurden auch mit der Beschlagnahmung des russischen Vermögens im Rahmen der Ukraine-Sanktionen beschleunigt.

Auch das für den Petrodollar wichtige Öl-Kartell OPEC bekommt seit dem Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate Risse. In der Folge des Irankriegs wird Öl verstärkt in Yuan und über die neue, von der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel federführend entwickelte digitale Plattform myBridge abgerechnet.

Besonders relevant ist, dass die saudische Zentralbank 2024 zu mBridge stieß, neben China, Hongkong, Thailand und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Damit entsteht eine technische Infrastruktur, über die Energiehandel langfristig auch ohne klassische Dollar-Korrespondenzbanken und ohne vollständige Abhängigkeit von SWIFT abgewickelt werden könnte.

BRICS, Yuan, Gold und lokale Währungen

Auch die BRICS-Staaten bauen an Alternativen. Die Kazan-Erklärung unterstützte lokale Währungen im Handel zwischen BRICS-Staaten und ihren Partnern und prüfte mit BRICS Clear eine unabhängige Abwicklungs- und Verwahrinfrastruktur. Das ist keine fertige Weltwährung, aber ein institutioneller Rahmen für einen Handel ohne zwingenden Dollar-Zwischenschritt.

China wickelte 2023 seinen ersten LNG-Handel mit den Vereinigten Arabischen Emiraten in Yuan ab. Händler für russisches Öl verlangen von indischen Käufern zunehmend Zahlungen in Yuan oder anderen . Nicht-Dollar-Währungen, weil Sanktionen und Umrechnungskosten den Dollarweg unattraktiver machen.

Dollar als Reservewährung schrumpft

Auch die Reserveseite verschiebt sich. Der Dollar-Anteil an den ausgewiesenen globalen Devisenreserven lag im vierten Quartal 2025 bei 57 Prozent, während andere Währungen seit 2021 an Bedeutung gewonnen haben. Zentralbanken kauften 2025 netto 863 Tonnen Gold, was auf eine breitere Suche nach Währungs- und Sanktionsabsicherung hindeutet (World Gold Council).

Fazit: Der Dollar bleibt dominant. Im November 2025 lag sein Anteil an globalen SWIFT-Zahlungen bei rund 47 Prozent, während der Renminbi nur ungefähr 3 Prozent erreichte. In der Handelsfinanzierung lag der Dollar sogar bei über 80 Prozent, obwohl der Yuan mit mehr gut 8 Prozent bereits Rang zwei belegte.

Das wahrscheinlichste Szenario ist daher kein abruptes Ende, sondern eine schrittweise Entmonopolisierung. Der Petrodollar verliert nicht sofort seine Funktion, aber er verliert seine Selbstverständlichkeit.

Die neue Finanzarchitektur wird multipolarer: Dollar, Yuan, Gold, lokale Währungen, CBDC-Brücken und regionale Zahlungssysteme existieren nebeneinander. Genau diese Infrastrukturmigration ist das eigentliche Ende des alten Petrodollar-Zeitalters. Damit verschiebt sich auch das internationale Machtgefüge zunehmend nach Asien.

Es bleibt jedoch abzuwarten, wie die USA auf diese Entwicklung reagiert. Sie waren bisher immer für eine Überraschung gut. Einiges deutet allerdings darauf hin, dass die Entwicklung vom einflussreichen Finanzkomplex unter Blackrock & Co. unterstützt wird.

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