Geschäftsreisen erleben aktuell ein paradoxes Umfeld: Das Volumen steigt wieder deutlich, zugleich ist die Stimmung von Unsicherheit, Kosten- und Sicherheitsdruck geprägt.
Studienlage und Marktentwicklung
Die aktuelle Geschäftsreiseanalyse des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR) zeigt für 2025 ein kräftiges Wachstum: 116,1 Millionen Geschäftsreisen bedeuten ein Plus von 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders kleine und mittlere Unternehmen treiben diese Dynamik, ihre Reisetätigkeit wächst mit 5,6 Prozent deutlich stärker als bei Großunternehmen. Zugleich verlagert sich die Aktivität geographisch: Der Zuwachs stammt fast ausschließlich aus Europa, während Interkontinentalreisen auf Vorjahresniveau verharren. Für 2026 erwarten rund 62 Prozent der Unternehmen weiteres Wachstum, was trotz Rezessionserfahrung auf einen robusten Stellenwert persönlicher Treffen hinweist.
Stimmungslage: Optimismus unter Vorbehalt
In den Stimmungsbarometern zeigt sich ein ambivalentes Bild: Unternehmen sehen Geschäftsreisen wieder als notwendigen und wertschöpfenden Bestandteil von Vertrieb, Projektarbeit und Partnerschaftspflege, agieren aber vorsichtiger. Knapp zwei Drittel planen ein stabiles bis moderat steigendes Volumen. Gleichzeitig erhöhen aber externe Schocks wie neue Kriege und wirtschaftliche Unsicherheit die Sensibilität. 44 Prozent der Unternehmen geben an, heute vorsichtiger zu entscheiden als vor den jüngsten geopolitischen Konflikten. Reiseverantwortliche sprechen daher von einer „stabilen, aber fragilen“ Nachfrage, die jederzeit auf neue Krisen reagieren kann.
Perspektive der Reisenden: Sicherheit und Belastung
Parallel dazu beleuchtet der internationale Bericht „Business Travel Outlook 2026“ von Zurich die Stimmung aus der Sicht der Geschäftsreisenden. 43 Prozent geben an, sich auf Reisen weniger sicher zu fühlen als früher. Störungen, Streiks, extreme Wetterlagen und geopolitische Risiken werden als neue Normalität erlebt.
Besonders die Beschäftigten der Generation Z fühlen sich schlechter vorbereitet und sorgen sich stärker um Zwischenfälle und ihre psychische Gesundheit. Gleichzeitig verbinden 81 Prozent der Befragten Geschäfts- und Urlaubsreisen („Bleisure“) oder planen dies für 2026 – ein Hinweis auf den Wunsch, Belastung zu kompensieren und Reisen subjektiv aufzuwerten. Unternehmen geraten damit unter Druck, Richtlinien, Versicherungsschutz und Fürsorgepflicht an diese hybride Realität anzupassen.
Neue Leitplanken: Effizienz, Nachhaltigkeit, Wohlbefinden
Die aktuellen Studien bewerten Geschäftsreisen nicht mehr als bloßen Kostenblock, sondern als strategisches Instrument – allerdings unter strengeren Leitplanken. Viele Firmen setzen auf weniger, dafür auf längere und besser gebündelte Reisen. Nachhaltigkeitsanforderungen und interne Emissionsbudgets verschieben die Präferenzen hin zu Bahnreisen, „grüne Hotels“ und CO₂-optimierten Routen. Unterm Strich dominiert eine nüchtern-optimistische Stimmung: Geschäftsreisen gelten wieder als unverzichtbar – aber nur, wenn sie sichtbar Wert schaffen, verantwortungsvoll organisiert sind und die neue Risikolandschaft ernst nehmen.


