Nachdem sich die Inflationsrate 2024 stabilisierte, leitete die EZB im Juni 2024 eine Kehrtwende ein. In mehreren Schritten senkte sie den Leitzins bis Juni 2025 auf einen vorläufigen Tiefpunkt von 2,15 Prozent. Durch die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und erneute Energiepreissteigerungen stieg die Inflation im Euroraum 2026 jedoch wieder auf über 3 Prozent.
Die EZB erhöhte daher ihren „klassischen" Leitzinssatz am 10. September 2026 zum zweiten Mal in diesem Jahr um 0,25 Prozentpunkte von 2,4 auf 2,65 Prozent. Er bildet auch die generelle Orientierung und Basis für die Zinssätze von Bankkrediten und Spareinlagen.
Finanzexperten rechnen mit einer weiteren Leitzinserhöhung bis Jahresende. Solange der geopolitische Inflationsdruck anhält, ist mit fallenden Zinsen kaum zu rechnen. Für Unternehmen und Immobilienkäufer, die Kredite benötigen, könnte ein zu langes Warten daher teurer werden. In den USA ist das höhere Zinsniveau schon zu sehen. So erhöhte die US-Notenbank Federal Reserve (FED) kürzlich ihre Leitzinsen auf eine Spanne von 3,75 bis 4,0 Prozent.
Kreditzinsen
Laut Bundesbank lag der gewichtete Finanzierungskostenindikator für neue Unternehmenskredite im Juli bei 3,80 Prozent, für Wohnungsbaukredite bei 3,54 Prozent. Das war noch vor der jüngsten EZB-Anhebung. Bauzinsen für zehnjährige Zinsbindung liegen danach bereits je nach Objekttyp und Kreditbonität zwischen 4,06 und 4,48 Prozent effektiv, im Schnitt bei 4,13 Prozent.
Auch Anlagerenditen steigen
Der gestiegene EZB-Leitzins entfaltet seine Wirkung am Finanzmarkt vor allem am kurzen Ende von Krediten und Anlagen. Doch auch der mittel- und langfristige Bereich vor allem an den internationalen Anleihemärkten erlebt weltweit eine Renditesteigerung, weil die Staatsschulden in allen Ländern steigen und Investoren entsprechende Risiko- und Inflationsprämien fordern.
So sind in Deutschland die Bundrenditen bereits über die gesamte Laufzeitkurve gestiegen. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten bei rund 3,50 Prozent. Zwanzigjährige Papiere lagen jüngst bei 3,8 Prozent. Am langen Ende erreichten dreißigjährige Bundesanleihen (Bund30) mit rund 3,8 bis 3,9 Prozent den höchsten Stand seit 2011.
Empfehlung
Finanzexperten rechnen mit einer weiteren Leitzinserhöhung bis Jahresende. Solange der geopolitische Inflationsdruck anhält, ist mit fallenden Zinsen kaum zu rechnen.
Für Bankkunden heißt das: Wer die Finanzierung auf „bessere Zinsen“ vertagt, riskiert, später zu schlechteren Konditionen oder unter Zeitdruck abschließen zu müssen. Eine Rückkehr zum Billiggeld früherer Jahre erwartet kaum ein Experte.
Trotz des Anstiegs bewegen sich die Finanzierungskosten historisch betrachtet weiterhin auf einem moderaten Niveau und eröffnen Spielraum für strategische Investitionen in den Ausbau der Digitalisierung, Energieeffizienz und Produktion. Wer solche Projekte jetzt anstößt, verbessert nicht nur das Ergebnis, sondern stärkt auch seine unternehmerische Widerstandskraft gegenüber weiteren geopolitischen Schocks.
Aus Zinssicht ist daher – besonders bei solider Bilanz und überzeugendem Projekt – jetzt ein guter Zeitpunkt zum Handeln.


