Roboter halten zunehmend Einzug in Hotels., jetzt auch in den Wellness-Bereich. So gibt es seit dem 14. August 2026 einen Massageroboter im Spa-Bereich des Hotels Aja Travemünde. Nach einer Testphase entschied sich der Betreiber, die DSR Hotel Holding, das System i.R.i.S. des Herstellers Ionto-Comed dauerhaft anzubieten. Der Massagekopf mit vier beheizbaren Steinen bietet wählbare Programme, regelbaren Druck, Rotlicht und Musik. 30 Minuten kosten 29 Euro, 45 Minuten 39 Euro – buchbar für Hotel- wie externe Gäste. Ab 2027 soll die Technik auf weitere Aja- und A-Rosa-Häuser ausgerollt werden; Travemünde gilt als Pilotstandort.
Kein Einzelfall
International ist die Entwicklung weiter fortgeschritten. Das New Yorker Unternehmen Aescape bietet seit 2024 vollautomatisierte KI-Massagen in Luxushotels wie Lotte New York Palace, Four Seasons Orlando und Baltimore an. In Deutschland führte schon 2024 das Parkhotel Cup Vitalis in Bad Kissingen den Kuka-Roboterarm iYU ein. Ensana setzt in Marienbad auf den KI-Roboter „Anna“. Das Muster ist überall gleich: knappes Personal, steigende Nachfrage – und ein Gerät, das Lücken füllen soll.
Das Geschäftsmodell dahinter
Zwei getrennte Geräte, zwei Preislogiken, die sich nicht gegenrechnen lassen. Aescape verlangt von US-Hotels rund 7.500 US-Dollar für eine Monatslizenz plus 10.000 Dollar für die Einrichtung bei drei Jahren Laufzeit. Profitabel wird das erst ab zwei Stunden täglicher Auslastung. Bei Aescapes eigenen Sitzungspreisen von 60 bis 95 US-Dollar pro 30 Minuten entspricht das rund vier Sitzungen und den geforderten 245 US-Dollar Tagesumsatz.
Ionto-Comeds i.R.i.S. in Travemünde folgt dagegen einem anderen Modell: 29 bis 39 Euro pro Anwendung sind deutlich günstiger, doch der Anschaffungspreis und die Vertragskonditionen sind nicht öffentlich. Ein Renditevergleich zwischen beiden ist damit nicht seriös möglich. Der Nutzen liegt in beiden Fällen weniger im Erlebnis als in der Kapazitätslogik: ganztägige, pausenlose Verfügbarkeit.
Kritische Einordnung
Der Fachkräftemangel dient Betreibern regelmäßig als Rechtfertigung für den Robotereinsatz. Doch keine Quelle liefert belastbare Zahlen zu eingesparten Stellen, zur Amortisationszeit oder zur Kundenzufriedenheit im Vergleich zu einer menschlichen Massage. Es bleibt abzuwarten, ob sich deutsche Hotelgäste mit dem nötigen Geld von einem seelenlosen Roboter durchkneten lassen möchten.
Offen bleiben auch Fragen zur Haftung bei Fehlfunktionen, zur Hygiene bei Systemen, die direkt auf der Haut arbeiten, sowie zum Umgang mit Körperdaten aus 3D-Scans und CRM-Kopplungen.
Fazit: Der Massageroboter scheint eher ein Martetinginstrument zu sein, mit dem Hotels ihre Modernität signalisieren.


