Der Hotdog nach dem Ikea-Einkauf, die heiße Theke im Supermarkt, das Bistro im Einkaufszentrum: Deutschlands Händler betreiben eine eigene Gastronomie, die kaum jemand als Branche wahrnimmt. Dabei wächst sie seit Jahren schneller als Restaurants und Gaststätten.
Rekordumsatz trotz Konsumflaute
Die Handelsgastronomie setzte 2025 laut EHI Retail Institute 13,3 Mrd. Euro um. Das sind 7,1 Prozent mehr als im Vorjahr (12,4 Mrd.) und drei Prozentpunkte mehr, als die Händler selbst vorhergesagt hatten. Für 2026 werden rund 13,9 Mrd. Euro erwartet, ein Plus von 4,3 Prozent. Seit 2019 stiegen die Erlöse um fast 33 Prozent. Ihre Grafik zeigt den Verlauf: 2020 brach der Umsatz durch Corona um 24,5 Prozent auf 7,6 Mrd. Euro ein. Danach folgten +30,7 Prozent (2022) und +15,9 Prozent (2023).
Bei der klassischen Gastronomie sieht es anders aus. Ihr Umsatz sank 2025 laut Destatis inflationsbereinigt um 2,2 Prozent. Ohne Inflationsbereinigung blieb ein Plus von 1,8 Prozent. Auch die niedrigere Mehrwertsteuer auf Speisen (7 statt 19 Prozent) hat bisher nichts gedreht. Im ersten Halbjahr 2026 fiel der inflationsbereinigte Umsatz der Gastronomie um 5,7 Prozent.
Sparen als Wachstumstreiber
Den wichtigsten Grund nennt das EHI den Trading-down-Effekt: Verbraucher entscheiden sich bewusst für das günstigere Essen im Handel. In Restaurants und Imbissen kosten Gerichte oft doppelt so viel. Am meisten verkauft werden Frikadellen, Currywurst, Leberkäse, belegte Brötchen, Schnitzel und Sushi. 63 Prozent der befragten Händler sehen das Geschäft mit To-go-Essen und Snacks als stärksten Wachstumstreiber. Fertig- und Snackprodukte machen bereits 17,5 Prozent des Umsatzes aus.
Supermärkte dominieren
Der Lebensmittelhandel erzielt 62,7 Prozent des Umsatzes an rund 29.250 Standorten. Danach kommen Shopping-Center (18,6 Prozent), Tankstellen (9,5), Möbelhäuser (3,8) sowie Baumärkte und Gartencenter (3,5).
Ikea als Vorbild
Ikea setzte in Deutschland 2024/25 rund 275 Mio. Euro mit Essen um, erzielt in nur 55 Häusern, also rund 5 Mio. Euro pro Haus.
Ziele und Hürden
Die Händler wollen mit ihrem Essensangebot vor allem mehr Kunden in die Läden holen, Kunden binden und gewinnen und sich vom Wettbewerb abheben. Die Hälfte betreibt die Gastronomie als eigenständige Gewinnquelle. Die größten Probleme sind - wie im Gastgewerbe generell - die hohen Lohn- und Personalkosten und die Suche nach Personal.
Fazit
Die Handelsgastronomie ist vom Service für Kunden zu einem strategischen Geschäftsfeld geworden.


